Stolpersteinverlegung für die Riesebergopfer

Am 18 Juli wird der Künstler Gunter Demnig neun Steine für die Riesebergopfer in Braunschweig verlegen. Er beginnt um 9:45 Uhr vor dem Haus Jahnstraße 20 in dem Reinhold Liesegang und Walter Römling 1933 wohnten. Pressemitteilung

Hier werden Jutta Salzmann für den Förderverein Stolpersteine für Braunschweig, Bürgermeisterin Frederike Halfinger und der DGB Regionsvorsitzende Michael Kleber sprechen.

Die Verlegung wird um 10:10 Uhr am Madamenweg 166 fortgesetzt, dort wohnte Willi Ludwig. Es folgen:


um 10.30 der Stein für Hans Grimmiger, Julius Konegenstraße 15,

um 10.50 Uhr der Stein für Herrmann Behme,Kreuzkampstraße 8

um 11.05 Uhr der Stein für Alfred Staats, Spinnerstraße 10

um 11.30 Uhr der Stein für Julius Bley, Siegfriedstraße 37

um 11.50 Uhr der Stein für Gustav Schmidt, Langerkamp 21

um 12.15 Uhr der Stein für Willi Steinfaß, Abelnkarre 10

Zu allen Verlegungen der Stolpersteine sind Zuschauer herzlichst erwünscht!

Bereits am 17. Juli um 19:00 Uhr lädt der Deutsche Gewerkschaftsbund, in das Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte am Fallersleber-Tor-Wall 23 ein. Es werden u.a. Gundolf Algermissen über die Riesebergopfern informieren und der Künstler Gunter Demnig über seine Arbeit mit den Stoplersteinen. Die Veranstaltung trägt den Titel: "Die Zukunft hat eine lange Vergangenheit".

 

Biografien

 

Alfred Staats arbeitete als kaufmännischer Angestellter in Braunschweig. Er war Mitglied der KPD. Er wohnte in der Spinnerstraße 10, geboren am 20.11.1912 in Braunschweig.

Herrmann Behme war 1933 Betriebsrat bei der MIAG. Er wohnte im Eichtalviertel, in der Kreuzkampstraße 8, also in jenem Viertel, in welchem Landmann erschossen wurde. Er wurde am 11.11.1884 im Salzgittergebiet geboren, in Klein Mahner und erlernte später das Dreherhandwerk. Nach seiner Militärzeit zog er nach Braunschweig. Er war Mitglied der Gewerkschaft. Während des ersten Weltkrieges trat er dem Spartakus bei. Mitglied der KPD war er seit dem Gründungsparteitag im Jahre 1918. Von 1919 an arbeitete er als Dreher bei der MIAG. Von seinen Kollegen wurde er zum Betriebsrat gewählt, später wurde er Betriebsratsvorsitzender und KPD-Stadtverordneter. Seine ruhige und besonnene Art, Probleme anzugehen, sicherten ihm die Sympathien und das Vertrauen seiner Kollegen. Bei seinen politischen Gegnern erhielt er bald den Spitznamen "MIAG-Behme". Als er von der Verhaftungswelle hörte, zog er zu seiner Schwiegermutter in das Belfort, ein Arbeiterviertel in der Nähe der Hugo-Luther-Straße, Arndtstraße und Jahnstraße. Hier fühlte er sich vor den Nazis sicherer. Freunde aus seiner Partei rieten ihm, ins Ausland zu verschwinden. Er wollte jedoch nicht einsehen, warum jemand, der sich nie etwas hat zuschulden kommen lassen, sich verkriechen solle.

Am 2. Juli wurde er vor der Gaststätte "Weißes Roß" an der Celler Straße auf dem Weg zur Arbeit verhaftet und in die AOK gebracht. In der Nacht zum 3. Juli versuchte er, sich zu erhängen. Mitgefangene verhinderten den Selbstmord.

Walter Römling wurde 1890 in Braunschweig geboren. Er wohnte in der Jahnstraße 20 und verdiente Geld als ungelernter Arbeiter, um seine Familie zu ernähren. 1910 fing er bei der MIAG als Hilfsarbeiter an, später wurde er Maschinenarbeiter. 1933 gehörte er dem Betriebsrat an. Im Jahre 1907 war Römling eines der Gründungsmitglieder des "Bildungsvereins der jugendlichen Arbeiterinnen und Arbeiter Braunschweig". Er war Mitglied in der freien Gewerkschaft und der Sozialdemokratischen Partei. 1915 wechselte er zur Spartakus-Gruppe, einem Vorläufer der KPD, in der er 1919 Mitglied wurde. Walter Römling lebte mit seiner Frau und drei Kindern im Arbeiterviertel Belfort im gleichen Haus wie Reinhold Liesegang. Am 30. Juli 1933 wurde er im Betrieb verhaftet. Über seine Misshandlungen in der AOK berichtete er einem anwesenden MIAG-Kollegen. Man hatte ihn mehrfach bis zur Bewusstlosigkeit stranguliert.

Hans Grimminger wurde bereits am 30. Juni verhaftet. Er war 34 Jahre alt, geboren am 26.7.1899, in Veltenhof. Er war Elektromonteur bei der MIAG und Mitglied in der kommunistischen Betriebsgruppe und wohnte in der Julius-Konegenstraße 15, andere Quellen besagen, dass er in der Roßstraße wohnte, heute Ernst-Amme-Straße, in der Nähe der MIAG. Frau Grimminger arbeitete später ebenfalls bei der MIAG. Hans Grimminger war Mitglied im "Arbeiter-Radfahrer-Bund". Die Familien Grimminger, Behme, Liesegang und Römling waren gut miteinander befreundet.

Willi Steinfaß wurde 13.5.1892 in Braunschweig geboren. Er war ungelernter Arbeiter, da seine Eltern die finanziellen Mittel für eine Lehre nicht aufbringen konnten. Er wohnte in der Abelnkarre 10. 1909 trat er der Sozialistischen Jugend bei, später wurde er Mitglied der SPD, wechselte dann zur Spartakusgruppe, um schließlich Mitglied der KPD zu werden. Er arbeitete bei der MIAG als Maschinenarbeiter. Am 2.7.1933 wurde Willi Steinfaß verhaftet. Seine Frau schrieb im Jahre 1938 ebenso wie die Frauen Grimminger und Behme einen Brief an Adolf Hitler, weil ihre soziale Lage unhaltbar geworden war. Sie baten um finanzielle Unterstützung, die Bitte wurde abgelehnt.

Kurt Heinemann stammte aus Schöningen, Salinentrift 4 und wurde am 16.12.1906 in Echternach geboren. In Schönigen war er Mitglied der KPD. Am 29. Oktober 1930 war er unter den 16 Schöninger Kommunisten, gegen die vor dem großen Schöffengericht verhandelt wurde, weil sie gemeinsam gegen nationalsozialistische Störer einer KPD-Veranstaltung vorgegangen waren und sie verprügelt hatten. Das Urteil lautete für Heinemann auf 3 Monate Gefängnis. Diese Vorstrafe und der Umstand, dass Heinemann Jude war, genügten der SS, um ihn in Rieseberg umzubringen. Seine beiden Söhne wurden 1941 im Alter von 12 und 13 Jahren nach Auschwitz gebracht und vergast. Die beiden Töchter konnte seine Frau vor diesem Schicksal bewahren. Auf Wunsch der Ehefrau wurde die Leiche ihres Mannes 1956 in Schöningen beigesetzt.

Willi Ludwig wurde am 28.8.1888 geboren. Er war KPD-Mitglied und arbeitete bei der Reichsbahn. Er wohnte in der Nähe des Hagenmarktes in der Reichsstraße, andere Quellen besagen, dass er im Madamenweg 166 wohnte.

Reinhold Liesegang wurde am 6.6.1900 in Güsten geboren. Er stammte aus einer alten Arbeiter- und Sozialistenfamilie. Er hatte vier Geschwister. Kurz vor Ende des ersten Weltkrieges wurde er zur kaiserlichen Marine eingezogen und leistete seinen Militärdienst auf See. Nach dem Kriege gehörte er einer Abteilung der "Roten Armee" an, die das Braunschweiger Schloß stürmte und den Herzog Ernst August von Braunschweig zur Abdankung zwang. Als er aus der Armee ausschied, war er zu-nächst arbeitslos. Später wurde er bei der Firma Voigtländer als Schweißer eingestellt. Er wurde Gewerkschaftsmitglied, später dann Mitglied der KPD. In seiner Freizeit war er aktiv im VfV, dem Verein für Volkssport. Er gehörte der Ringerriege an und war sportlich sehr erfolgreich. Reinhold Liesegang heiratete und hatte zwei Kinder. Seine Familie wohnte im Arbeiterviertel Belfort, in der Jahnstraße 20.

Am Freitag, den 30. Juni 1933 kamen SA-Leute auch zu Reinhold Liesegang, um ihn zu verhaften. Er war jedoch wie immer am Wochenende im Sportverein. So hinterließen sie eine Aufforderung an ihn, sich am nächsten Tag in der AOK einzufinden, da er verhört werden solle. Da er davon ausging, dass er mit dem Mord an dem SS-Mitglied Landmann nichts zu tun hatte, meldete er sich in der AOK.

Gustav Schmidt war ein junger Student, Mitglied der Studentenvereinigung. Er gehörte keiner Partei an. er wurde am 19.9.1908 in Holzminden geboren und wohnte am Langerkamp 21. 1953 wurden die Rieseberg-Opfer auf Beschluss der Stadtverwaltung Braunschweig auf den Urnenfriedhof der Stadt Braunschweig umgebettet. Bei den Ausgrabungen fand man einen elften Toten. Es gibt mehrere Vermutungen, wer dieser elfte Tote war. So könnte es ein Kurier aus Hannover gewesen sein, der auf dem Weg nach Rieseberg von SS und SA verhaftet wurde. Er könnte auch bereits auf dem Lastwagen gelegen haben, der vom besetzten Volksfreundhaus zur AOK gefahren war, um dort die zehn weiteren Opfer abzuholen.

Julius Bley wurde am 1.1.1990 in Köln geboren. Erwohnte in der Siegfriedstraße 37 und arbeitete nicht bei der Miag, so wie viele seiner Leidensgenossen. Er war Chemiegraph bei der Firma Grasshoff. Bley war Mitglied der kommunistischen Partei und zum Zeitpunkt seiner Verhaftung 42 Jahre alt.

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