Denise Ritter: small world wide _ _ _ track #1, 21.01. - 24.01.16

Verehrtes Publikum, Freunde des Konsumvereins, Freundinnen der Kunst,

jetzt hat das Neue Jahr Fahrt aufgenommen – schlechte Nachrichten, zu viele Termine, alles beim Alten? Nein: wir beginnen ein neues Jahr im Konsumverein und gerne mit Ihnen. Sehr herzlich laden wir zu zwei außergewöhnlichen Veranstaltungen im Januar ein.

ShortCut: Denise Ritter: small world wide _ _ _ track #1
Eröffnung: Donnerstag, 21. Januar 20.00 Uhr, geöffnet bis 24. Januar am Freitag, Samstag, Sonntag von 14.00 bis 18.00 Uhr

Unter dem Arbeitstitel „small world wide _ _ _ tracks“ entwickelt Denise Ritter für den Allgemeinen Konsumverein eine Klanginstallation. Diese ist die erste Manifestation und damit Vorlage und Format für weitere Installationen, die die Ergebnisse ihres 2013 gestarteten, weltweiten, partizipativen Klangkunstprojektes „small world wide“ behandeln.

Nach dem „Kleine-Welt-Phänomen“ (small world phenomenon) ist angeblich jeder Mensch auf der Erde durch eine kurze Kette an direkten Bekanntschaften mit jedem anderen Menschen verbunden. Diese Theorie der „six degrees of separation“ nahm die Künstlerin als Ausgangspunkt für das Projekt „small world wide“:

10 Audiorekorder verteilte sie an 10 Startpersonen, die diese jeweils über eine Reihe von ausschließlich persönlichen Bekanntschaften an 10 Zielorte weltweit bringen sollen. Es sollen Audioaufnahmen an den Zielorten gemacht werden und ebenso an allen Zwischenstationen auf dem Weg dorthin.

Die Zielorte sind beispielsweise die Internationale Raumstation ISS (Erdorbit), das Forschungsschiff Polarstern des Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meeresforschung (Antarktis), der Kenogami-Urwald in Ontario (Kanada), das Stahlwerk Phoenix Ost (ehemals in Dortmund) in Zhangjiagang (China), u.a.

Unter Opens external link in new windowwww.smallworldwide.net kann das Projekt online verfolgt werden. Manche Rekorder sind bereits an ihrem Zielort angelangt, einige noch unterwegs. Bisher sind über 30 Stunden an Audioaufnahmen aus aller Welt bei Denise Ritter eingetroffen. „small world wide“ ist ein Langzeitprojekt ohne explizite Deadline.

Denise Ritter steht kompositorisch in der Tradition der Musique Concrète. Oft realisiert sie mehrkanalige elektroakustische Kompositionen in Installationen, basierend auf den Audioaufnahmen, die sie selbst aufnimmt, schneidet, bearbeitet, verfremdet. Dabei entstehen komplexe und durchkomponierte Stücke.

Mit „small world wide“ macht sie eine neue Erfahrung und geht anders vor:
Die zurückgekommen Aufnahmen werden - mit Störgeräuschen, unbearbeitet und nicht soundtechnisch nachbearbeitet, also in ihrer vollen Authentizität über Abspielmodule wiedergegeben. Allerdings geschieht dies nicht einfach ungekürzt, linear und beliebig. Vielmehr werden Fragmente thematisch und inhaltlich ausgewählt. Die Reihenfolge und die Verteilung auf die verschiedenen Abspielmodule werden genauestens abgestimmt und durch die Reihenfolge des Einschaltens in einer bestimmten Art linear und räumlich in Beziehung zueinander gesetzt. Dadurch entsteht ein minimalistisches, dennoch sinnliches Kaleidoskop von sehr konkreten akustischen Einblicken in die lebensweltliche Realität unterschiedlicher Menschen an den unterschiedlichsten Orten der Welt.

Diese akustischen Fragmente „fransen“ nach etwa 3 bis 4 Stunden (Akkulaufzeit) aus, verlieren nach und nach ihre Linearität und ihren Zusammenhalt, bis sie schließlich verstummen. Das komplexe, miteinander vernetzte akustische Bild von Welt besteht also nur temporär und für kurze Zeit, bevor es sich wieder auflöst.

"small world wide“ wurde gefördert 2012 durch ein Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen für „small world wide“, unterstützt vom HMKV Hartware MedienKunstVerein Dortmund 2015 durch ein Stipendium des Landes Niedersachsen - Braunschweig PROJECTS (Klangkunst-Stipendium) für unterstützt von der HBK Braunschweig.

Am 28. Januar um 19.00 Uhr laden wir gemeinsam mit dem Universum Kino ein zur Deutschland-Vorpremiere des neuen Films von Laurie Anderson "Heart of a Dog".

Laurie Anderson ist Musikerin, Performanceartistin, Schriftstellerin, Malerin und eine höchst originelle Filmemacherin. HEART OF A DOG ist im Grunde die Geschichte ihres treuen Hundes Lolabelle. Zugleich aber ist Lolabelle ein Bild der Welt: Er ist das Lebendige schlechthin, die Erinnerung, die Gegenwart, das Glück und der Verlust. Gemischt werden Andersons Musik, Super-8-Aufnahmen aus ihrer Kindheit, Dokumentarisches und Fiktives, Animation und Stimme. Und wer es ahnen mag, spürt, wie sie von jenem Menschen erzählt, den sie vor nicht allzu langer Zeit verloren hat, ihren Mann Lou Reed: «Every lovestory is a ghoststory.»

Laurie Anderson
Geboren 1947 in Chicago. Studiert am Barnard College und an der Columbia University. Erste Performances in New York in den Siebziger Jahren. Mitte der Siebziger Jahre dreht sie auch ihre ersten Kurzfilme, 1986 entsteht der Konzertfilm HOME OF THE BRAVE. Ausstellungen im Guggenheim Museum, im MOMA und im Centre Pompidou.

Einen Trailer zu diesem Film findet man bei Youtube, eine Beschreibung hier: Opens external link in new window http://www.monopol-magazin.de/Laurie-Andersons-Heart-of-a-Dog-im-Wettbewerb-des-Filmfestivals-in-Venedig

In Braunschweig wie überall in Deutschland wird dieser Film nur in Kinos zu sehen sein, die mit einem Kunstverein kooperieren. In Braunschweig mit uns. Der Konsumverein freut sich über diese Zusammenarbeit mit dem Universum. Wir freuen uns besonders, dass wir als Termin unseren Mitglieder-Fördererauftakt gefunden haben – so laden wir diese nicht nur zum Film, sondern auch anschließend in den Konsumverein.

http://www.konsumverein.de/

 

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