St. Leonhard: Planungen in die Tonne treten

Die Diskussion um die Bebauung von St. Leonhard ist im vollen Gange. Herr Jonscher von der BZ  begleitet wie immer die Stadtentwicklung unkritisch wohlwollend (BZ 15.12.2015).  So "schätzen" wir ihn! Was unpassend ist, wird passend gemacht oder gar vollständig verdreht. Und so kennen wir auch unsere Stadt aus Hoffmanns Zeiten: Boreks Wünschen folgend.

Denkmalschutz hin oder her. Da reibt man sich als Bürger die Augen. Dachte man doch immer, und so wird es auch transportiert, dass Herr Borek der Historie der Stadt besonders zugetan sei. So will er nunmehr "Das Areal St. Leonhard, das für Braunschweig einmalig ist und dessen Keimzelle die St. Leonhards-Kapelle ist, die sich bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen lässt", zerstören. Es ist, "nach dem Dom, das älteste erhalten gebliebene Bauwerk von Braunschweig", so, und mehr, das Bauordnungsamt der Stadt Braunschweig - Abt. Denkmalpflege.

 

 Quartier St. Leonhard / Ansicht Leonhardstraße. Quelle: Feddersen Architekten / sichtvision

Da werden die alten denkmalgeschützten Gebäude zum großen Teil abgerissen, um einem sechsstöckigen und sicherlich rentablem Profan-Neubau Platz zu machen. Da stören natürlich die restlichen geschützten Stallungen, so die Diskussion. Herr Jonscher mit der rhetorische Frage vorneweg. Eine Frage in der Überschrift seines Beitrags, die schon seine Antwort enthält: "Stören alte Pferdeställe das Stadtbild?" Umgekehrt wird ein Schuh draus, die Stallungen stören nicht, es stört der sechsstöckige Kasten an der Ecke, der erst gar nicht zur Diskussion gestellt wird. Aber vielleicht wartet man ja darauf, dass jemand (vielleicht Herr Jonscher oder Herr Manlik aus dem Rat der Stadt) Herrn Borek bittet, den Rest auch noch abzureißen (Pferdeställe) und zu bebauen - Werkstätten hin oder her. Zähneknirschend würde seine Stiftung diesen Dienst an der Stadt wohl auf sich nehmen.

Nicht die angeblich störenden alten Pferdeställe sollten Herrn Jonscher zu denken geben, sondern, dass der Denkmalschutz mal so eben aufgehoben wird. Dieses Thema sollte Herr Jonscher in unserer einzigen Lokalzeitung kritisch begleiten. Er sollte kritisch nachfragen, ob denn der Denkmalschutz gar nichts mehr zu bedeuten hat in unserer Stadt, wo doch Fake-Bauten als vermeintliche Originale aufgebaut werden, ob der Herzerwärmung des Volkes von Herrn Jonscher bejubelt.

Ja, das ist ein echter Jonscher, so wie viele ihn kennen, doch Besserung wird nicht erwarten. Die Texte unter den Bildern sind suggestiv ("alte Pferdeställe" gegenüber "markante, stadtbildprägende Eckgebäude"). Oder ein graues Foto unterschrieben mit den Worten "Scheunen". Sicher, nichts ist falsch von dem Geschriebenen, und doch soll völlig unkritisch politische Wirkung erzielt werden. Eben ein echter....., naja, Sie wissen schon.

Und Herr Borek, der sich gerne als Wahrer der Stadtgeschichte sieht und durch Anschubfinanzierung von wenigen Prozenten darauf auch aktiv Einfluss nimmt, ist mitnichten der Bewahrer. Wenn es um Geld geht, ist er vielmehr der Kulturklitterer der Geschichte Braunschweigs.

Was ist zu tun?

Der Stadt gewaltig auf die Finger klopfen, um den Ungeist der Geschichtszerstörung aufzuhalten.

Die geschichtsrelevanten Ruinen könnten für die Bürger zugänglich gemacht werden, um zu erklären, welche Bedeutung diese für die Stadt haben, denn sie sind, laut Denkmalschutzamt "ein sozialgeschichtliches Denkmal von für Braunschweig einmaligem Rang".

Falls doch Bebauung, dann vorsichtige Komposition von Alt und Neu mit erkennbarem Respekt vor der Geschichte.

Die bisherigen Planungen in die Tonne treten!


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