Ein Blick hinter die Schlosskulissen

"... Säulen im Bereich der Treppenanlage zonieren den langgestreckten Raum," gibt Yorck Stuhlemmer (1) - in zuckersüßem Architektendeutsch - die Baubeschreibung für den Zeitschriftenlesesaal im Südflügel der Schlossfassaden zum Besten. Und weiter: "An den Wänden entsprechen der Säulenstellung Pilaster(3), so dass die Deckenfelder darauf bezogene Kassatierungen erhalten."


Zwischen zwei Schmucksäulen ein Stück tragende Betonmauer, das weder in Lage, Größe, Form, das in keiner Weise mit den Säulen und Pilastern korrespondiert. Es ist einfach nur unförmig und hässlich. Längs gezogene Lüftungsschlitze weisen die horizontalen Deckenstreben plump als technische Versorgungsleitwerke aus. Auf das Gruseligste disharmonieren die billig antikisierenden Säulen mit der Technodecke (Stuhlemmer spricht auch von "akustisch wirksamen Decken"), die zu tragen sich die Säulen den Anschein geben. Darunter modernistische Hängelampen (6), die in keinerlei proportionalem Verhältnis zu den Feldern stehen, die sie umgeben:

Das ist nicht komisch, es ist kein Kitsch, es ist einfach nur fürchterlich ... und der Gipfel: 1,2 Millionen Euro hat die Erstellung dieser "schlossähnlichen Anmutung" gekostet.

Rätselhafter Osten

"Vergebliches warten auf die Wagenlenkerin Brunonia - Polnischer Fahrer lag schlafend in seiner Koje"
Glosse zum Artikel in der BZ

Wie Herr Jonscher in der BZ vom 7. Mai zum Besten gab, hat er aus sicherer Quelle erfahren, das es vor allem auch Schuld eines ‚pennenden’ polnischen Kraftfahrers war, dass die termingerechte Errichtung der Rietschel-Quadriga -und somit auch die groß angekündigte spektukuläre Enthüllung derselben- ins Wasser gefallen ist. Hoffmann und Borek stehen mit weißer Weste da; alles war bestens vorbereitet; erst in letzter Minute vermasselte ein Ausländer alles.

Welchen Herzog hat Braunschweig verdient?

"70.000 Braunschweiger stürmen ihr Schloss!" - Wessen Schloss soll das sein? Zum einen führt sich Herr Borek wie der Schlossherr und Fast-Eigentümer auf, zum anderen wäre der erste Bürger unserer Stadt dort gern Herrscher.

Was fangen wir Bürger mit so viel Herzöglichem an und wozu brauchen wir das ganze Gehabe? Echter Adel und Geldadel setzen hier Zeichen. Die wirklichen Eigentümer dürften bekannt sein. Den Bürgern gehört gar nichts, sie sollen sich in Illusionen baden. Sie zahlen von nun an für ihre "Kultur" 30 Jahre lang 1,2 Millionen und mehr als jährliche Miete an ECE. Ist das wohl jedem Besucher klar, wenn er sich nun ein besseres, fürstlicheres Ambiente wünscht?

Ufo-Angst in Braunschweig - stahlen Marsmenschen die Brunonia

Geneigte Leserin, geneigter Leser! Da ich mich unter die Volksmassen mischte, um meine Ansichten zu dem „Schlossspektakel“ auf meine eigene Weise kundzutun, wurde ich, weil ich Flugblätter verteilte, häufiger mit einer offiziellen Auskunft verwechselt und gefragt, was mit der Wagenlenkerin und dem Wagen sei. Was sollte damit sein? Ich wusste, was diese Sache betraf, nicht was die Leute meinten.

Zur Erinnerung in Sachen "Schloss"

Bei aller Folklore (von mir aus auch Gegenfolklore), die jetzt in Sachen "Schloss" verbreitet wird, soll noch einmal auf Grundlagen des schönen Scheins verwiesen werden.

Das "Schloss" gehört nicht der Stadt Braunschweig und schon gar nicht den Braunschweiger Bürgerinnen und Bürgern. Es gehört einem internationalen Immobilienfonds der Credit Suisse Asset Management.

Die Stadt Braunschweig hat lediglich die Fassade bezahlt, die ihr nicht gehört (indem die Kosten dafür mit dem Kaufpreis für das Grundstück verrechnet wurde und ECE letztlich keinen Kaufpreis für das Grundstück zu zahlen hatte). Zusätzlich zu jährlichen Kosten von mehr als 1 Million an Miete und Nebenkosten - was für Braunschweiger Verhältnisse ein hoher Mietpreis ist - hat die Stadt auch noch 2,8 Millionen in die Inneneinrichtungen für die zu mietenden Räume investieren müssen, und mehr als eine Millionen wurden jetzt von Stadt und Stiftungen (die darüber andere Projekte vernachlässigen müssen) noch investiert, um ein schlossähnliches Ambiente für Räumlichkeiten herzustellen, die der Stadt nicht gehören.

Die Kosten für den schönen Schein von üppigem Reichtum ad gloriam Hoffmannensis werden auf die Zukunft, auf künftige Generationen abgewälzt; öffentliches Eigentum wird dafür schamlos verzehrt und verjubelt und Schulden werden zum Teil nur verschoben. Vier Mal hat sich Hoffmann hier schon für dies Projekt feiern lassen:

- Bohlweg-Einweihung
- Fassaden-Einweihung (fremdfinanzierte pro-Hoffmann "Wahlkampfveranstaltung")
- Kaufhaus-Einweihung
- "Schloss"-Einweihung

Lügen haben kurze Beine - oder die Verschiebung von Wahrheit (Teil 32)

Auf eine Anfrage der Grünen Ratsfraktion gab Kulturdezernent Laczny in Vertretung des Oberbürgermeisters am 13. April 2007 folgende Antwort:


Folgende Stellungnahme gab Kulturdezernent Wolfgang Laczny dann in Vertretung des Oberbürgermeisters für die Ratssitzung vom 2. Mai 2007:

Berichte zur Kundgebung: "Die Gedanken sind frei"

Die TAZ bringt zur Kundgebung vor dem Braunschweiger Rathaus für Meinungsfreiheit und für Solidarität mit Hartmut El Kurdi einen Bericht, der einen "ungeordneten Rückzug" des Braunschweiger Oberbürgermeisters feststellt, und einen Kommentar, der ihm "Unprofessionalität und Gutsherrendenken" bescheinigt.

Berlin lernt von Braunschweig

Kritiker, die das Kaufhausprojekt über dem Braunschweiger Schlosspark für rundum misslungen halten (zu denen ich mich zugegeben zähle), werden es kaum glauben. Aber das Projekt trägt doch Früchte, wenn auch im negativen Sinne. Berlin kann daraus lernen wie man es jedenfalls nicht machen sollte, und Berlin ist offenbar auch fest entschlossen, daraus zu lernen:

 

"Braunschweig ist der Sündenfall, der nun auch in der fassadenfixierten Berliner Schlossdebatte zum Umdenken zwingt. Der Schock, im ehemaligen Welfenschloss nach Eintritt durchs Schlossportal in einem Starbucks-Café und einem banalen Einkaufszentrum zu landen, bestärkt diejenigen, die eine Kongruenz von Form und Inhalt fordern. „Eine Schrumpfform von Schloss gibt es nicht“, fasst es der Architekturkritiker Dankwart Guratzsch zusammen, und der Berliner Stararchitekt Hans Kollhoff fordert „das ganze Schloss, keine Attrappe“, also eine Rekonstruktion auch der bedeutenden Innenräume sowie der monumentalen Treppen und Durchgänge: „Das Schloss muss prunkvoll sein“, so seine Devise."

 

Ein Hoffnungsschimmer für die Stadt und ihre Presse?

Kürzlich kaufte die Verlagsgruppe der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung die Braunschweiger Zeitung. Offenbar zieht der Verlag schon erste Konsequenzen, was bitter nötig ist.

Denn die Frankfurter Rundschau berichtet heute, dass der Verlag für alle seine Zeitungen gewisse journalistische Qualitätsstandards festlegen will, die keinesfalls unterschritten werden dürfen. Diese Standards gelten dann also auch für die Braunschweiger Zeitung. Am Mittwoch soll der Pressekodex verkündet werden.

Ein Märchen wird wahr - weiterer Beitrag zur Weihefeier des Schlosses

Es wird ein großes, ein einmaliges Ereignis werden: die Weihe der Braunschweiger Schloss-Fassaden. Nicht nur dem Auge, allen Sinnen soll ein hohes Fest bereitet werden. Matthias Witte gab hier schon einige Anregungen zur Bemessung und Perfektionierung des Hörgenusses. Können doch Schallwellen, anders als sonstige Artikel des täglichen und des periodischen Bedarfs, direkt den Weg ins Herz der geneigten Konsumenten finden. Ein Leser unserer Seiten bereitet nun auch dem Gaumen ein ganz besonderes Fest. Um die Weihefeier vollends zum Gesamtkunstwerk zu erheben und damit auch die Marktgängigkeit der Schloss-Fassaden zu pushen, hat er ein neues,  qualitativ hochwertiges Designer-Weinlabel rekonstruiert. Denn anders als der musikalische Schall, der ergreift und bewegt, verschafft ein Fest des Gaumens Nähe, ja es ereignet sich unmittelbare Identität. Wie Tellenbach richtig wahrnimmt: "Im Tätigsein des Geruchssinns wie des Geschmackssinns verschmilzt das Subjekt mit der in Duft und Geschmack sich präsentierenden Welt."

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