Berlin lernt von Braunschweig

Kritiker, die das Kaufhausprojekt über dem Braunschweiger Schlosspark für rundum misslungen halten (zu denen ich mich zugegeben zähle), werden es kaum glauben. Aber das Projekt trägt doch Früchte, wenn auch im negativen Sinne. Berlin kann daraus lernen wie man es jedenfalls nicht machen sollte, und Berlin ist offenbar auch fest entschlossen, daraus zu lernen:

 

"Braunschweig ist der Sündenfall, der nun auch in der fassadenfixierten Berliner Schlossdebatte zum Umdenken zwingt. Der Schock, im ehemaligen Welfenschloss nach Eintritt durchs Schlossportal in einem Starbucks-Café und einem banalen Einkaufszentrum zu landen, bestärkt diejenigen, die eine Kongruenz von Form und Inhalt fordern. „Eine Schrumpfform von Schloss gibt es nicht“, fasst es der Architekturkritiker Dankwart Guratzsch zusammen, und der Berliner Stararchitekt Hans Kollhoff fordert „das ganze Schloss, keine Attrappe“, also eine Rekonstruktion auch der bedeutenden Innenräume sowie der monumentalen Treppen und Durchgänge: „Das Schloss muss prunkvoll sein“, so seine Devise."

 

Ein Hoffnungsschimmer für die Stadt und ihre Presse?

Kürzlich kaufte die Verlagsgruppe der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung die Braunschweiger Zeitung. Offenbar zieht der Verlag schon erste Konsequenzen, was bitter nötig ist.

Denn die Frankfurter Rundschau berichtet heute, dass der Verlag für alle seine Zeitungen gewisse journalistische Qualitätsstandards festlegen will, die keinesfalls unterschritten werden dürfen. Diese Standards gelten dann also auch für die Braunschweiger Zeitung. Am Mittwoch soll der Pressekodex verkündet werden.

Ein Märchen wird wahr - weiterer Beitrag zur Weihefeier des Schlosses

Es wird ein großes, ein einmaliges Ereignis werden: die Weihe der Braunschweiger Schloss-Fassaden. Nicht nur dem Auge, allen Sinnen soll ein hohes Fest bereitet werden. Matthias Witte gab hier schon einige Anregungen zur Bemessung und Perfektionierung des Hörgenusses. Können doch Schallwellen, anders als sonstige Artikel des täglichen und des periodischen Bedarfs, direkt den Weg ins Herz der geneigten Konsumenten finden. Ein Leser unserer Seiten bereitet nun auch dem Gaumen ein ganz besonderes Fest. Um die Weihefeier vollends zum Gesamtkunstwerk zu erheben und damit auch die Marktgängigkeit der Schloss-Fassaden zu pushen, hat er ein neues,  qualitativ hochwertiges Designer-Weinlabel rekonstruiert. Denn anders als der musikalische Schall, der ergreift und bewegt, verschafft ein Fest des Gaumens Nähe, ja es ereignet sich unmittelbare Identität. Wie Tellenbach richtig wahrnimmt: "Im Tätigsein des Geruchssinns wie des Geschmackssinns verschmilzt das Subjekt mit der in Duft und Geschmack sich präsentierenden Welt."

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Nachlesen im Fall Hoffmann / El Kurdi

- In der Zeit dieser Woche ist vorgestern ein sehr lesenswerter, ausführlicher Artikel erschienern. Dankenswerterweise ist er auch als Link abrufbar.
- Der Abgeordnete Jürgen Trittin hat eine Anfrage im Bundestag dazu gestellt und auch der Bundestagsabgeordnete Carsten Müller beobachtet das Geschehen in Braunschweig aus Berlin und hat auf eine Anfrage Stellung zum Fall Hoffmann / El Kurdi genommen.
- Und was macht El Kurdi? Wird er das Angebot aus dem fernen Hannover für politisches Asyl letztlich annehmen? Wir wissen es nicht, wissen aber, dass er sich inzwischen auch ernsthafteren Charakteren, Berufungen und Berufen widmet, so in der TAZ etwa Verkäufern von Musikinstrumenten.


alt

Geschichten aus dem Rathaus oder die Abwicklung von Sinn und Verstand (Teil 31)

Eine diesbezügliche Anfrage der Grünen Ratsfraktion von Braunschweig hatte Folgen:
über den Kulturdezernenten reagierte die Verwaltung der Stadt Braunschweig mit einer erstaunlichen Selbstentblößung, sagte sinngemäß ebenso offen wie offensiv: "Wir, die Verwaltung der Stadt Braunschweig (hier synonym für: Ich, Dr. Gert Hoffmann), diskriminieren Hartmut El Kurdi, weil er Dinge sagt, die uns nicht gefällig sind und nicht gefallen."

Es geht weiter. Eine "Akte" El Kurdi, die die Stadt vorlegte, war zwar umfangreich, aber wenig überzeugend. So legte die Verwaltung der Stadt nach: Bei Aussagen von El Kurdi ginge es auch "um Behauptungen, der OB habe sich "an die Macht geputscht" - so eine Pressemeldung der Stadt Braunschweig vom 17. April.

"Subway" steht zu El Kurdi und berichtet selbst über Diskriminierungen

Subway, die Braunschweiger Stadtzeitschrift, in der Hartmut El Kurdi die meisten seiner beanstandeten Kolumnen geschrieben hat, stellt sich hinter den amtlich diskriminierten Autor und berichtet selbst in einer Presseerklärung von Diskriminierungen durch die Stadt.

Wir berichteten hier, dass der Fall Hoffmann / El Kurdi kein Einzelfall ist und dass nicht nur das Kulturamt, sondern auch das Presseamt von der Verwaltung der Stadt Braunschweig missbraucht wird, um missliebige Personen auszugrenzen und zu diskriminieren. Auch andere Publikationen, wie die Umweltzeitung, die kritische Beiträge gegen den Oberbügermeister publiziert haben, bekamen zu spüen, dass die städtischen Gesellschaften mit sehr hohem Werbeetat, denen Oberbügermeister Dr. Gert Hoffmann vorsteht, ihnen die Anzeigen entzogen, was sich ja auch sehr leicht überprüfen und nachweisen lässt.

Wenig Glaubwüdigkeit und viel mehr Hohn klingt deshalb aus der Presseerklärung der Stadt Braunschweig, wenn sie auf die Vorwüfe von Subway antwortet.

Ausgrenzung unliebsamer Kunstschaffender - nicht gedruckter Leserbrief

Pünktlich zum Stadtputztag, bei dem sich zumindest in unserer Gegend die Beteiligten um den Müll prügeln mussten, denn die "Samstag- Gänger" fanden durch die schulischen "Freitags-Gänger" kaum noch Müll vor, wird nun auch ganz offiziell durch Verfügung El Kurdi weggeputzt. Alles was nicht für mich/Hoffmann oder uns/(die Stadtverwaltung) ist, gehört geächtet und ausgegrenzt, wer solche Tendenzen anprangert wird öffentlich gemassregelt und gleichzeitig bei künstlerischen Schaffen von jedweder Förderung ausgeschlossen. (Der Oberbürgermeister ist gleichzeitig Präsident der Stiftung Braunschweiger Kulturbesitz!!!)

Ob da jemand mit seinen Arbeiten über den Kirchturmblick erfolgreich arbeitet spielt keine Rolle, Hauptsache das kleine Weltbild von Politik und Verwaltung bleibt bewahrt und bestätigt sich durch gegenseitige Zusicherung eines "Gutmenschtums" in Verbindung mit Macht, Geld und Politik immer wieder neu. Es ist höchste Zeit diesen Schleimigkeit abverlangenden Imperativ aufzuarbeiten, denn das sind Mechanismen der Rechten wie Linken. Das hatten wir alles schon einmal. Braunschweig ist wieder ganz weit vorne.

Dietrich Oberländer, Braunschweig

Wo steht, wohin geht Braunschweig? (Fragen der TAZ)

In der Tageszeitung sind heute einige Artikel über den Fall Dr. Gert Hoffmann / Hartmut El Kurdi zu lesen:

Lebt Braunschweig im Mittelalter? fragt die Zeitung und berichtet, dass Hoffmann stark punkten kann bei der NPD, die den "lieben Kameraden" einlädt, zu seinen "Wurzeln zurückzukehren." Gibt es handfeste Belege für El Kurdi als Agitator? Geht die hemdsärmelige Hau-Drauf Politik des Braunschweiger Oberbürgermeisters für ihn und die Stadt nach hinten los? Und wohin geht Braunschweig heute?

Und die TAZ vom 25. April weiß: Der Fall geht vor den Bundestag.

Ein Märchen wird wahr - Anregungen und Bedenken zur Weihefeier des Schlosses

Vorbemerkung vom Administrator:
Dr. Gert Hoffmann hatte sich Großes vorgenommen, als er beschloss, Oberbürgermeister von Braunschweig zu werden. Kein Braunschweiger war eingeweiht, doch der „Jungen Freiheit“ vertraute er seine geheimsten Pläne an, als er ihr am 2. März 2001 verriet, dass er sich als „Vergangenheitsbewältiger“ bewähren wolle in dieser Stadt. Eine „große Sünde“ der Vergangenheit solle gesühnt werden, er wolle einen Teil des Braunschweiger Stadtschlosses wiederaufbauen. Nun ist es vollbracht. Am 6. Mai wird es eingeweiht. „Dies ist für uns der eigentliche Höhepunkt des Jahres und wird ein geschichtlicher Tag für Braunschweig.“ so der Oberbürgermeister.

„Architektur ist gefrorene Musik“, wusste Schlegel, und was kann es Schöneres geben in einer solchen weihevollen Stunde, als mit lebendiger Musik sie zu umfangen im frühlingshaften Tauwetter der Seelen. Denn von Hegel wissen wir: „Musik ist Geist, Seele, die unmittelbar für sich selbst erklingt und sich in ihrem Sichvernehmen befriedigt fühlt.“ Im Moment architektonischer Vollendung darf sie keinesfalls fehlen. „Mit einem sinfonischen Konzert des Braunschweiger Staatsorchesters ... feiert die Stadt die Eröffnung des wieder aufgebauten Schlosses.“ - so die Pressemeldung.

Matthias Witte wendet sich mit folgendem Brief an Herrn Generalmusikdirektor Jonas Alber, mit dem Wunsch und der Bitte dem historischen Moment Gerechtigkeit widerfahren zu lassen durch eine angemessene Musikauswahl.


Braunschweig, den 20.4.07
Sehr geehrter Herr Generalmusikdirektor Alber,

ich möchte nicht behaupten, dass ich im Auftrag des Herrn Kulturdezernenten Laczny schreibe; ich habe in der folgenden Sache noch nicht einmal mit ihm geredet, aber ich hoffe doch, in seinem Sinne zu handeln. Ich schreibe Ihnen, weil ich fürchte, dass Herrn Laczny die Hände gebunden sind. Die leider Gottes bundesweiten Schlagzeilen, die die Kommentare des ‚Kulturrates’ gemacht haben, nur weil Herr Laczny dem unflätigen selbsternannten ‚Satiriker’ el Kurdi die rote Karte gezeigt hat, lassen weitere klare Direktiven seitens der städtischen Kulturverwaltung solange nicht zu, bis sich die links-liberale Erregungsgemeinschaft wieder beruhigt hat. In solchen Zeiten ist es unsere freudige Pflicht, aus eigenem Antrieb dem Oberbürgermeister entgegenzuarbeiten!

Die Akte El Kurdi - Brief an die Verantwortlichen für diese Stadt

Sehr geehrte Damen und Herren,

in lokalen und überregionalen Zeitungen ist von den Maßnahmen der Stadt gegen Hartmut El Kurdi zu lesen. Im Ratsinfosystem der Stadt findet man als Anlage zu der Erklärung des Kulturdezernenten 14 Seiten Beweismatierial zu den "Vergehen" von Herrn El Kurdi. Dabei handelt es sich um akribisch gesammelte Ausschnitte aus Zeitungen und Magazinen, um Abdrucke von Internetseiten und um Mitschnittprotokolle von Reden des Herrn El Kurdi. Die bemängelten Stellen sind mit Textmarker hervorgehoben.

Dazu ergeben sich folgende Fragen:
1. Auf Grund welcher Rechtsnormen ist die Stadt Braunschweig berechtigt, solche Akten über einzelne Bürger anzulegen?
2. Aus welchem Haushaltstopf ist das Zusammenstellen dieses Dossiers finanziert worden?
3. über welche weiteren Bürger sind solche Akten angelegt worden?

Die Existenz solcher Akten, erstellt von der Verwaltung der Stadt, zeugt von einem sehr merkwürdigen Umgang der Verwaltungsorgane mit ihren Bürgern. Der Fall El Kurdi ist besonders brisant, da die Stadt der Welt zeigt, wie in Braunschweig kritische Kultur gelenkt werden soll. Dass so eine Stadt als Kandidat für die Kulturhauptstadt Europas durchgefallen ist, verwundert nicht!

Mit freundlichen Grüßen

Marcus Else

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