Neuer Knotenpunkt für den ÖPNV: Bhf. Gliesmarode soll aus „Dornröschenschlaf“ erwachen

Oberbürgermeister Ulrich Markurth (links) und Detlef Tanke (Regionalverband Großraum BS) erläuterten auf dem Bahnhof Gliesmarode die Planungen für ein neues ÖPNV-Konzept. Foto: Klaus Knodt

Mit einem 100 Millionen Euro schweren Investitionsprogramm stärken das Land Niedersachsen, die Bahn und die Stadt Braunschweig den öffentlichen Personennahverkehr in der Region. Schon 2020 soll der Bahnhof Gliesmarode zu einem neuen Knotenpunkt für Mobilität werden. Oberbürgermeister Ulrich Markurth und MdL Detlef Tanke, Vorsitzender der Verbandsversammlung Regionalverband Großraum Braunschweig (beide SPD), stellten das Projekt der Öffentlichkeit vor.

„Gliesmarode = Gleis marode“, das galt Jahrzehnte lang für den „Haltepunkt“ am Nussberg. Markurth: „Wir haben jetzt die benötigten Mittel, um den Bahnhof aus seinem Dornröschenschlaf in Reinkultur zu erwecken“. In den angelaufenen Planungen von Stadt und Bahn soll er zur Verkehrsdrehscheibe ins nördliche Umland einerseits und zur Schnellanbindung in die City andererseits werden. Dazu wird der Bahnhof bis 2020 für rund 3,1 Millionen Euro grundlegend umgebaut, so die Planungen. Ziel, so Markurth: „In 16 Minuten von Gifhorn nach Gliesmarode und von dort aus ohne lange Wartezeiten in acht Minuten bis zum Bohlweg.“

 

Wo bisher nur alle paar Stunden ein „Heidebummler“ verkehrt, soll ein attraktiver, regionaler Verkehrsknotenpunkt für Pendler und ÖPNV-Umsteiger entstehen. Foto: Klaus Knodt

Das Bauvorhaben

Aus der Unkrautwüste wird ein zweigleisiger Bahnhof mit Mittelbahnsteig und einer barrierefreien Zugangsrampe zur jetzigen Grünfläche zwischen Gliesmaroder Straße und Böcklinstraße. Dort auf der Gleis-Westseite können (privat investiert) Kiosk, Restaurant, Supermarkt, Bäcker, Café oder eine Tiefgarage entstehen. Die Tram-Haltestelle (jetzt unter der Brücke) wird ein paar Meter in Richtung Stadt verlegt und gleichzeitig für Stadtbusse ertüchtigt, die vom Knotenpunkt Gliesmarode aus dann direkt Orte im Umland anfahren. 

Die Verkehrslogistik

Alle Taktzeiten für Bahn, Tram und Bus werden aufeinander abgestimmt und erheblich verkürzt. Detlef Tanke: „Wir wollen schon in einem Jahr mit einem Stundentakt die Strecke Gifhorn bis Mitternacht ausdehnen, damit Fahrgäste aus dem Umland auch abends den ÖPNV nutzen können.“ Perspektivisch ist an einen Halbstundentakt gedacht. Auch die Verbindungen nach Salzgitter-Lebenstedt, Wolfsburg und Wendeburg werden auf Halbstundentakt verdichtet. Stadtbahnen und Hauptbuslinien sollen innerhalb Braunschweigs künftig bis 20.30 Uhr im 15-Minuten-Takt fahren. Markurth: „Wir meinen es mit der Verkehrswende Ernst. Wir kriegen das Klima nur in den Griff über ein verbessertes ÖPNV-Angebot“.

 

Parallel zum neuen Bahnhof Gliesmarode wird der Ringgleis-Radweg fortgeführt. Auf der grün eingezeichneten Leerfläche soll der neue Zugang zu den Gleisen mit entsprechender Infrastruktur entstehen. Foto: Klaus Knodt

Der neue Bahnhof Gliesmarode erhält nicht nur bessere Anbindungen und ein neueres Äusseres, sondern auch moderne Infrastruktur. So sollen Ladestationen für E-Autos, eine sichere Fahrrad-Abstellanlage und gut beleuchtete Wetterschutzanlagen entstehen. Zudem wird das Ringgleis vom Nussberg kommend über den neuen Bahnhofsvorplatz fortgeführt. Eine Radanbindung zur Karlstraße ist ebenfalls vorgesehen.

Derzeit nutzen nur noch 200 Fahrgäste pro Tag den Gliesmaroder Bahnhof als Umsteigemöglichkeit in den ÖPNV. Laut Michael Walther (Strategischer Referent Projekte des Oberbürgermeisters) liegt hier ein riesiges Potenzial brach: „Untersuchungen und Prognosen sagen 1000 Nutzer pro Tag voraus. Bei einer Verdichtung des Taktverkehrs sogar über 2000 pro Tag.“ Die Transport-Nachfrage von Schülern und Pendlern auf der Strecke nach Gifhorn sei stark gestiegen. Auch StudentInnen aus dem Umland wünschten sich bequeme Verbindungen zur TU.

Die Kleingartenanlagen und die bestehende KiTa werden durch die Planungen nicht berührt. Noch vor Jahresende können die Anwohner in einer Bürgerversammlung detailliert zu den Plänen Stellung nehmen, versprach OB Markurth.


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