PM: AAI warnt vor Aufweichen des Zentrenkonzepts

AAI-Vorsitzender kritisiert Pläne für Hamburger Straße und Heinrich-der-Löwe-Kaserne – Stadtmarketing präsentiert Frequenzmessung in der Innenstadt: stabile, ausgewogene Situation. AAI warnt vor Aufweichen des Zentrenkonzepts

Braunschweig, 13. Dezember 2012

Ein Aufweichen des Zentrenkonzepts werde die Innenstadt dauerhaft schwächen und so Braunschweig jener Stärke berauben, die die Stadt dank ihres intakten Einzelhandels im Zentrum zu Niedersachsens Einkaufsmetropole Nummer 1 machte. Diese Position vertrat Volkmar von Carolath, Vorsitzender des Arbeitsausschusses Innenstadt (AAI), während eines Treffens der Innenstadtkaufleute in der Handwerkskammer am gestrigen Mittwochabend. Er forderte die Politik auf, keine kurzsichtigen Entscheidungen für neue Einzelhandelsprojekte an der Peripherie zu treffen. So würden benötigte Verlässlichkeit, Planungs- und Investitions-sicherheit für die Innenstadt-Kaufleute mit negativen Folgen für die gesamte Stadt verloren gehen.

Von Carolath führte aus, dass gegenwärtig die Planungen sowohl an der Hamburger Straße auf dem Gelände der Braunschweiger Zeitung als auch jene für die Heinrich-der-Löwe-Kaserne nicht vereinbar seien mit dem hervorragend funktionierenden Zentrenkonzept, das Stadt, IHK, Einzelhandelsverband und AAI gemeinsam abgestimmt haben und der Rat der Stadt vor mehr als zwei Jahrzehnten beschlossen hat. „Wir haben nicht erfolgreich für die Einhaltung des Zentrenkonzepts beim Volksbank BraWo-Park gekämpft, damit jetzt an anderen Stellen Begehrlichkeiten auf innenstadtrelevanten Handel mit etwa Sport- und Elektrogeräten befriedigt werden“, sagte von Carolath.

Der AAI-Vorsitzende verdeutlichte, dass die Politik schlecht beraten wäre, wenn sie neue Projekte nur wegen des Investitionsvolumens und einer städtebaulichen Perspektive unreflektiert durchwinken würde. Denn der Schaden, der durch innenstadtrelevante Sortimente an der Peripherie beim innerstädtischen Handel entstünde, würde mittelfristig die Stadt Braunschweig wertvolle und schwer erarbeitete Attraktivität kosten. Er erwarte von der Politik konsequentes Handeln und ein klares Bekenntnis zum Zentrenkonzept, das bislang stets als Erfolgsgarant für die Entwicklung der starken Braunschweiger Innenstadt galt.

Von Carolath wies darauf hin, dass sich der Einzelhandel in der Innenstadt bereits mit dem demografischen Wandel und dem zunehmenden Internethandel mit nicht beeinflussbaren Problemen auseinanderzusetzen habe. „Eine weitere, in Braunschweig hausgemachte und unnötige Schwächung werden wir dauerhaft nicht verkraften. Nicht heute, aber morgen würde die Innenstadt in Gefahr geraten. Geschäftsaufgaben und Leerstände wären mittelfristig die negativen Folgen, die auch touristisch schaden würden“, sagte von Carolath. Er kritisierte in diesem Zusammenhang auch die von der Stadtverwaltung geplante Bettensteuer als kontraproduktiv für den Einzelhandel, die Hotellerie und die Entwicklung Braunschweigs als starker Kongress-Standort.

Gerold Leppa, Geschäftsführer des Stadtmarketings, stellte dem AAI die Frequenzmessung der Innenstadt-Besucher mit erfreulichen Aspekten vor. Zwar waren an den Tagen der Zählungen (4. bis 6. Oktober) wegen des regnerischen und kalten Wetters weniger Besucher in Braunschweigs Stadtzentrum als in den beiden Jahren zuvor, aber die Verteilung der Kundenströme verdeutlicht die ausgewogene Situation mit starken Ankerpunkten. „Es ist offenbar nicht so, dass die Besucher bei Regen automatisch bei ihrem Einkaufsbummel in die überdachten Einkaufszentren ausweichen“, interpretierte Leppa die vorgestellten Grafiken und verwies auf Braunschweigs hochattraktive, abwechslungsreiche Fußgängerzone mit vielen inhabergeführten Geschäften.

Der Damm ist danach mit 20,2 Prozent der Besucherströme weiter führend, gefolgt vom Schlossplatz am Portikus mit 17,7 Prozent. An beiden Messpunkten ist eine steigende Tendenz abzulesen. „Positiv ist zudem, dass sich die massiven Befürchtungen am Straßenzug Sack nicht bewahrheiten. Viele hatten dort wegen der schwierigen Situation im City Point befürchtet, dass die Lage dramatisch verlieren würde. Dem ist aber nicht so, das hat die Frequenzmessung eindeutig gezeigt“, beruhigte Leppa.

Stabil blieben auch die Werte für den Kohlmarkt, den Langen Hof und den Schlossplatz mit Ausrichtung zum Magniviertel. Leichte Verluste musste die Schuhstraße hinnehmen, größere Schlossplatz am Ritterbrunnen. Leppa führte beide Entwicklungen auf das schlechte Wetter beziehungsweise – im Fall der Schustraße – auf temporäre Leerstände zurück.

Pressediagramme

1. Gezählte Innenstadt-Besucher, Donnerstag bis Samstag, 2008 bis 2012

2. Verteilung der Innenstadt-Besucher 2008 bis 2012

3. Verteilung der Innenstadt-Besucher 2012

(Quelle: Frequenzzählung Braunschweig Stadtmarketing GmbH mit Unterstützung von Arbeitsausschuss Innenstadt, Schloss-Arkaden, Burgpassage, Welfenhof und City Point)

 

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