Adieu, leb wohl Mohamed

Mohamed hat uns 35 Jahre im braunschweiger forum - mal ehrenamtlich, mal hauptamtlich - begleitet. Er ist in den Abendstunden des 24. Januar 2019 auf dem Inselwall gestorben. Leider kam jede Hilfe zu spät.

Nachruf für Mohamed El Serugi.

Du wirst uns allen fehlen - deine liebenswürdige, ruhige Art war auch in stressigen Situationen ausgleichend. Dein Glaube an Allah hat dir die Balance gegeben, und du hast uns einen großen Teil deiner Kraft geschenkt. Danke!

Mohamed, du wusstest, dass das Leben hier auf der Erde nicht ewig währt. „Irgend-wann müssen wir alle sterben“ - das war für dich gewiss – „und niemand kann dem ausweichen - wenn die Stunde kommt, dann sollten wir bereit sein“, so deine Worte.

Und dennoch: Die Nachricht von deinem plötzlichen Tod hat uns alle sehr traurig gemacht. Was bleibt, sind die vielen bunten Erinnerungen an die gemeinsame Zeit im braunschweiger forum.

Vor 35 Jahren bist du in den damaligen Räumen des Schimmelhofes zu uns gestoßen. Weißt du noch, dort wo sich die zahllosen Aktivitäten von Waldsterben über Fahrradprogramm und Stadtkalender bis zum Fassadengrün und dem Gesunde-Städte-Projekt überschlugen. Du warst überall mit dabei. In manchen Jahren als Angestellter, oft aber auch einfach als aktives Mitglied. Mit Martin Brandis hast du viele Tage und auch manche Nacht an Abrechnungen gesessen, wir hatten ja zeitweise richtig viel Personal, das verwaltet werden wollte. Während dieser Zeit wurde keineswegs nur gearbeitet, son-dern viel erzählt und gelacht. Wir sind zusammen gerückt, waren voller Elan und wollten

die Stadt umkrempeln. „Freie Fahrt für freie Bürger“ so lautete damals das Motto der Verantwortlichen in der Verwaltung und Politik. Trotzig hielten wir dagegen! Das menschliche Maß beim Planen der Stadt einhalten, der Schutz der Natur, das Um-schwenken auf erneuerbare Energien und eine sanfte Mobilität waren uns damals schon wichtig.

Lust auf’s Radeln – damit lockten wir viele Braunschweiger aus ihren vier Wänden und haben gemeinsam die abenteuerlichsten Touren bestritten. Du, Mohamed, warst dabei „ der Mann für alle Fälle“. Ausgerüstet mit Flickzeug, Wasserflasche und Heftpflaster sammeltest du die versprengten Radler/innen wieder ein, die dem rasanten Tempo von Hans Fechtel nicht standhielten. Charmant begleitetest du die Erschöpften sicher zum Ziel. Warst du mal nicht am Start, erkundigten sich vor allem die Damen nach dem Verbleib des netten Ägypters. Wir erinnern uns noch schmunzelnd an deine alte "Mühle", bei der unterwegs immer mal wieder Reparaturen erforderlich waren. In der Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt warst Du häufig Gast bis es einfach nicht mehr ging. Schlussendlich hat dir Ommo Ommen das völlig intakte Fahrrad seiner verstorbenen Schwiegermutter abgetreten.

Du warst überglücklich!

Überhaupt war das Fahrrad dein ständiger Begleiter, bei Sonnenschein wie bei Wind und Wetter. Sogar in der Zeit, in der du weit draußen in Wenden wohntest, radeltest du selbstverständlich täglich in die Stadt und zurück. Damit warst du, Mohamed, so lange wir dich kannten, der Botschafter unserer Ideen par excellence.

Als wir dann irgendwann unser Domizil vom Schimmelhof ins Westliche Ringgebiet verlegten, hast du alle unsere Aktivitäten: Vom Erzählcafè bis zur Sicherung des Ringgleises, Sperrung der Frankfurter Straße verbunden mit dem Kampf um Tempo 30, wie auch den zahlreichen Großspielaktionen, Demonstrationen, der Organisation von Floh-märkten, Stadtteilkonferenzen und –festen etc. tapfer begleitet und uns den Rücken freigehalten. Mohamed, du warst der Fels in der Brandung – ohne dich wären wir als braunschweiger forum längst nicht so erfolgreich gewesen.

Du hast deine Spuren in den Herzen der Menschen hinterlassen, die dir nahe standen, hast uns getröstet, uns zum Lachen gebracht, uns begleitet und gestützt, wir werden dich niemals vergessen. Die Muscheln vom Strand aus Alexandria werden uns an dich und deine Heimat erinnern.

Adieu, leb wohl, Mohamed

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