Photomuseum Braunschweig: Der stumme Befehl des Geschmacks diktiert die Realität

Gestellt, arrangiert, farblich ausbalanciert: Malte Wandel dokumentierte diese Familie 2016 in Mosambik. Foto: Museum für Photographie Braunschweig/Malte Wandel

Der Blick auf unsere Welt hat sich verändert. Die Über-Informationsgesellschaft gebiert nicht nur fake-news, sondern auch fake-pics. Was ist noch wahr, was offen gelogen, ver-photoshopped, inhaltlich oder optisch perspektivisch verzerrt? Was ist selektiv, was manipulativ, was Propaganda, was der Versuch unbewusst erzeugter Infiltration?

Das Braunschweiger Museum für Photographie nähert sich dem schwierigen Thema „Dokumentarfotografie“ erneut anlässlich der 11. Vergabe der Förderpreise der Wüstenrot-Stiftung. Die vier PreisträgerInnen Susanne Hefti, Alina Schmuch (in Zusammenarbeit mit Franca Scholz), Andrzej Steinbach und Malte Wandel, jeweils vorab mit 10.000 € Budget für ihre Arbeiten ausgestattet, zeigen völlig unterschiedliche Ansätze, um dem Thema nahe zu kommen. Kuratorin Stefanie Unternährer: „Das behinhaltet auch Videos, eine Slide-Show oder die Sammlung von Dokumenten.“ So werde in „unterschiedlichen medialen Übersetzungen“ die „Ästhetik der Doku-Fotografie“ in die Werke übernommen.

Kuratorin Stefanie Unternährer vor Bildern des Künstlers Andrzej Steinbach. Foto: Klaus Knodt

„Halt, halt!“, schreit hier der eingefleischte Foto-Reporter alter Schule und reibt sich an den ausgestellten Arbeiten. Malte Wandel etwa „sammelt Geschichten“, wie er selbst sagt. Im Laufe von zehn Jahren hat er sich an die Spuren von Nachkommen ehemaliger Gastarbeiter in der ehemaligen DDR aus Mosambik geheftet, den „Madgermanes“. In Bildern, Interviews, Videos und Schreibstücken hat er ihre Spuren verfolgt, sie aufgestöbert – und fotografisch arrangiert, bevor er auf den Auslöser drückte. Wandgroß seine aus zwei Bildern zusammengesetzte Fotofolie, die den jungen Miguel in Mosambik auf einem Berg sitzend zeigt – in einem fremden Land, auf der vergeblichen Suche nach seinem Vater. So als zerplatze exakt in diesem Augenblick der Traum eines jungen Mannes, seine Wurzeln zu finden.

Anrührend, kitschig, überhöht, gestellt, nicht echt? Oder ein Symbolfoto, dass in Kenntnis des inhaltlichen Kontextes das Schicksal einer verlorenen Generation dokumentiert? Auch einige der berühmtesten „Dokumentarbilder“ des vergangenen Jahrhunderts waren überwiegend nachempfundene Symbolstills: Die US-Flagge über Iwo Jima, der Brückenschlag zwischen Russen und Amerikanern an der Elbe, die Öffnung des Schlagbaums nach Polen durch deutsche Truppen am 1. September 1939: Alles gestellt, nach- und vorgedreht; dennoch verankert im kollektiven Gedächtnis. Seit Eisenstein und Leni Riefenstahl gilt die unumschränkte Wahrheit: Pics make News. Und je besser sie arrangiert sind, desto eindringlicher ist die Wirkung auf den Betrachter.

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Herfried Münkler zum Deutschen Fußball

Man kann die Fussballweltmeisterschaft ja aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Das Desaster der deutschen Nationalmannschaft im sportlichen Wettkampf setzt sich fort im Desaster der Verantwortlichen, also des Präsidenten Herrn Grindel (ehemaliger CDU-Hinterbänkler im Bundestag) und des nur noch peinlichen Oliver Bierhoff (Manager), der vor lauter Geschwätz nichts sagt - schon gar nichts Sinnvolles. Die sportlich administrative Gurkentruppe passt derzeit zusammen mit dem politischen Berlin, Brüssel und London.

Seit einiger Zeit ist die Nationalmannschaft auch eine Projektionsfläche für puren Rassismus. Man mag es irgendwie nicht sagen, aber Türken und Schwarze gehören da einfach nicht rein, seien sie auch noch so gute Fussballer. Oder ist etwa nur ein singender Fussballer ein guter (deutscher) Fussballer? Nein, ich will keine singenden Fussballer, sondern gute, die mir beim Zusehen Freude bereiten. Aber vielleicht sind die deutschen Kicker so schlecht, weil sie singen "müssen".

Lesen wir doch mal, was der Politologe Herfried Münkler über Symbolik und Spieler zu sagen hat, die nicht singen.

 

 

Magnus Kleine-Tebbe - ein Bildhauer zum Anfassen

Magnus Kleine-Tebbe an seinem Arbeitsplatz

Wer durch das braunschweiger Land fährt, wird zwischen Asse und Salzgitter und  Braunschweig und Harzvorland 4 große Skulpturen staunend betrachten können.  Auf dem ersten Blick weiß man mit ihnen nichts anzufangen. Es sieht aus, als wären sie einfach so in der Landschaft abgestellt. Doch dem ist nicht so - sie stehen im Zusammenhang und haben eine besondere Bedeutung. Aus der Vogelperspektive bilden sie ein Kreuz, wenn sie mit entsprechenden Linien verbunden werden. Es sind die 4 Soli, und sie stellen Christus, Gnade, Schrift und Glaube dar und gehören zu Martin Luthers Glaubensgrundsätzen. Sie entstanden in den Jahren 2014 - 2017. Jedes Jahr zum Reformationstag wurde eine Skulptur aufgestellt.

<id="system-readmore"> Der braunschweiger Bildhauer, Magnus Kleine-Tebbe, stellte sie im Auftrag der Prüsse-Stiftung her. Sie waren ein Geschenk an die Braunschweigische Landeskirche anlässlich 500 Jahre Reformation.

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FEMMES TOTALES 2 vom 12.07. – 18.07.2018

Fünf preisgekrönte Filme, fünf starke Geschichten von und über Frauen: mit der Filmreihe „Femmes Totales 2“ zeigt das Universum Filmtheater in der Zeit vom 12.-18. Juli Filme, die den aktuellen Stand des zeitgenössischen Kino von Frauen zeigen – spannend, witzig, anspruchsvoll.

„Femmes Totales - Filme von Frauen“, eine Reihe des eksystent Filmverleihs wurde ins Leben gerufen, um unter dem Motto „Was Kino sein kann“ zeitgenössisches Kino von Frauen auf die Leinwand zu bringen. Nach Filmen mit starken Frauenfiguren liegt der Fokus nun auf Filmen von Frauen. Denn Kino von Frauen kann spannend, traurig, dramatisch aber auch unterhaltsam sein - es kann eben alles sein, wie Kino von Männern auch. Vollständiger Text mit Programm als PDF

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! 10 Jahre Atelier Sabine Hoppe

 Die Bildhauerin Sabine Hoppe mit "Krieg der Sterne" als Widder und Zwilling, die miteinander kämpfen. Die Zwillingsfrau mit Doppelgesicht streckt extatisch ihr Bein in den Raum. Der Widder ist "konkret bei der Sache". Es scheint ein Liebsakt zu sein, von dem das Finale im Dunkeln liegt. Material: Bronze (Foto Heinke Maaßen)

 

Noch einmal ohne Sabine Hoppe auf einem coolen Mauerblock. Der lenkt nicht so ab. Foto: Uwe Meier

 Sabine Hoppe rief, und Hunderte kamen. Freunde und Freundinnen, Käufer und Käuferinnen, Künstler und Künstlerinnen, Nachbarn vom Schimmelhof (z. B. von Thomas Hirche, vom KULT-Theater), der Vermieter, Nikolaus Schimmel und all die, die zufällig vorbei kamen.

Für das Essen hatte Regina Oestmann von Slow Food Braunschweig gesorgt. Nicht nur wegen der Sonne gab es fröhliche Gesichter. Schließlich steckt Sabine mit ihrem Lachen an. So blieb nichts anderes übrig als Gute Laune zu haben, und das ist für eine gelungene Party ohnehin unverzichtbar. (Foto Heinke Maaßen)

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Braunschweig und Region: Das kleine Entdecker-Buch von Axel Klingenberg

Ein kleines Buch mit vielen bunten Bildern lädt zum Erleben, Entdecken und Genießen ein. Braunschweig, Wolfsburg, Wolfenbüttel und Umgebung sind bequem  und preiswert mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erkunden. Wer  glaubt ein Kenner dieser Region zu sein, wird in diesem Büchlein Neues entdecken. Auch die Radfahrer kommen auf ihre Kosten.

Oft nehmen wir uns viel zu wenig Zeit unsere Umgebung zu betrachten, aber nur was man sich erläuft, hat man wlrklich kennen gelernt.

Nach ausgiebigen Erlebnissen und eventuell müden Füßen gibt es dann auch noch gastronomische Schatztruhen, wo man sich nach getaner "Arbeit" belohnen kann. Aber Garantie, dass diese "Schatztruhen" immer bestehen werden, kann nicht gegeben werden.

Auf jedem Fall macht das kleine Buch neugierig. Es ist im Ellert & Richter Verlag erschienen und von dem Braunschweiger Axel Klingenberg geschrieben. Der Preis: 9,95 €.

Kansas mal rückwärts: Melhus’ Dorothy aus WOB - Westhagen

Björn Melhus eröffnete seine Werkschau in der halle267 vor einem Video-Sternenhimmel. Foto: Klaus Knodt

Verstörend absurd, betörend grotesk: das muß Kunst sein. Was Björn Melhus seit „Trumps Geburtstag“ (welche Koinzidenz!) in der halle267 an der Hamburger Straße zeigt, zieht den Besucher/die Besucherin unweigerlich in den Bann. Zunächst ohne Sinn erscheinend, offenbaren seine Video-Installationen Tiefe, Denkraum und politisch-metabolischen Verstand. Und dabei bezieht Melhus sich auch noch auf ein amerikanisches Kinderbuch.

 

Das Handy war noch gar nicht erfunden: Melhus als „Dorothy“ mit grüner Pünktchenschleife. Repro: Klaus Knodt

An acht Stationen zeigt der HBK-Absolvent und Professor an der Kunsthochschule Kassel 6- bis 15-minütige Werke aus den Jahren 1991 bis 2016. „Meine Dorothy lebt in Sasnak, einer deutschen Vorstadt. Von dort geht sie in das Zauberland Oz.“ Wem die Kindermythologie des US-amerikanischen Massenkitschs weniger geläufig ist: Im „Zauberer von Oz“ helfen in einem hanebüchenen Plot ohne jegliche Handlungslogik zufällig erfundene Nebenfiguren der Akteurin Dorothy immer dann aus der Patsche, wenn jede Hoffnung der Protagonisten stirbt. (Story unter wikipedia.org/wiki/Der_Zauberer_von_Oz). Dass Melhus dieses Zitat ans Absurde über seine Ausstellung stellt (die „Oz“-Dorothy kam aus KANSAS, also SASNAK rückwärts gelesen), kommt nicht von ungefähr: Der Mann hat ein paar Jahre seines fröhlichen Leidens als Stipendiat in den USA verbringen müssen. „Ich habe ein halbes Jahr lang aus meinem Klofenster die Zwillingstürme in New York gesehen. Und dann waren sie für ein halbes Jahr weg.“ Sowas kann, aber muss nicht, auf junge Seelen verstörend wirken.

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Das zehnte Sinfoniekonzert des Staatsorchesters Braunschweig unter Stabführung von Srba Dinic endete mit stehenden Ovationen

v.l.n.r.: Ekaterina Kudryavzseva (Sopran), Jelena Kordić (Mezzosopran), GMD Srba Dinic, Matthias Stier (Tenor)  und Selçuk Hakan Tiraşoğlu (Bass). © Fotografin Veronika Werner, Braunschweig

Die erste Saison des neuen Generalmusikdirektor Srba Dinic geht mit dem zehnten Sinfoniekonzert des Staatsorchesters Braunschweig in der Stadthalle zuende. Das Konzert wurde zweimal in Braunschweig und einmal in Celle gespielt. Auf dem Programm standen Salvatore SciarrinosShadows of Sound“ und Beethovens neunte Sinfonie. Dass die Komposition von Sciarrino übergangslos sozusagen als Nullter Satz in das Werk Beethovens überging, war zielführend, wenn nicht sogar ein Wurf der Programmgestalter, denn die Werke können sich kongenial ergänzen. Die Musik der Elemente von Salvatore Sciarrinos bereitete mit leisen, oftmals kaum wahrnehmbaren Tönen eine Einstimmung auf die überaus dynamische Gestaltung von Beethovens Meisterwerk. Weiter

Der Botanische Garten Braunschweig und seine "Grüne Schule"

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Victoria cruziana im neuen Gewächshaus des Botanischen Gartens in Braunschweig Foto Klaus Knodt

Für die Öffentlichkeit ist der Botanische Garten, nur wenige Gehminuten von der Innenstadt entfernt, die schönste Grünanlage Braunschweigs und ein hoch willkommenes „Fenster zur Natur“, wo man im Schatten alter Bäume wandeln oder sich in Gewächshäusern dem Zauber tropischer Vegetation hingeben kann. Ferner ist er ein Hort des Lernens und Verstehens - zumal in Zukunftsfragen.

Der Botanische Garten ist eine Landeseinrichtung, denn er gehört zur Forschungseinrichtung des Instituts für Pflanzenbiologie der TU Braunschweig.

Drei Schwerpunkte hat der Garten:

  • Forschung und Lehre
  • Artenschutz  Der Braunschweiger Botanische Garten beherbergt zurzeit ca. 4.000 Pflanzenarten, das sind etwa 1,5 % der Weltflora.
  • Fenster zur Natur“: Den Besuchern wird die schönste und lehrreichste Grünanlage der Stadt nahe gebracht. Im Schatten alter Bäume, oft von Baumpaten gefördert, lässt es sich lernen und entspannen zugleich. Und wer mal Tropenfeeling braucht und wissen will wie unsere tropischen Kulturpflanzen im Original aussehen, kann es im Tropenhaus auf kleinem Raum erleben. Dort wachsen Zuckerrohr, Kaffee und Kakao (Text und Fotos Uwe Meier) und so nebenbei die Pflanze mit der größten Blume der Welt, der Titanenwurz (Amorphophallus titanum), übersetzt wörtlich etwa „unförmiger Riesenpenis“. Und die Pflanze mit den belastbarsten Blättern der Welt, die Victoria cruziana, die gigantische Seerose aus Amazonien.

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Über 200 Künstler beim diesjährigen Straßenmusikfestival Buskers Braunschweig

Am 16. und 17. Juni 2018 verwandelt sich Braunschweig zum dritten Mal im Rahmen des Straßenmusikfestivals "Buskers Braunschweig" in eine große Bühne. Nationale und internationale Musiker treffen sich zu einem Festival der besonderen Art. Die Musik schallt durch die Straßenzüge und lässt die Stadt kurzerhand selbst zur Bühne werden.