"Rundgang" in Braunschweigs vergessener Hochschule

Der diesjährige "Rundgang" der Hochschule für Bildende Künste, der jedes Jahr zum Abschluß des Studienjahres stattfindet, wurde am Dienstag mit einem großen Gastmahl auf dem Weidenhof eröffnet: Das Festessen mit dem Titel „Heimathase scharf“, wurde von der Künstlerin Sonja Alhäuser initiiert und in Zusammenarbeit mit ihren Studentinnen und Studenten ausgerichtet. Einem hungrigen und beflissenem Publikum wurden kostenlos Hasenbraten (300-400 Portionen), mit Semmelknödeln und Salatfeld und andere Köstlichkeiten aufgetafelt.

Gemeinschaftlichkeit statt Alleineausstellen(-essen) lautete die Devise.

Ich liebe den Rausch von Farben, Düften und Geschmäckern ...“ (Alhäuser in einem Interview mit Tobias Seeger)

 

Alhäuser beschäftigt sich mit Lebensmitteln als vergängliches künstlerisches Material (Eat-Art). Es scheint ihr aber wichtig, dass mit dem Essen nicht nicht nur gespielt wird, sondern dass auch gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Beim Essen wird die Distanz des Kunstpublikums zum Kunstwerk aufgehoben. Die Einverleibung des Werkes findet statt.

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Ist es das, was Kinder brauchen?

Nicht gedruckter Leserbrief zum Artikel in der nB vom 18.06.2008: "Kleine Hände kneteten in sahnigem Vanilleeis"

Früher formten wir mit Sand, Knetekitt, Ton und anderen Materialien.

20 Schüler der Grundschule Hohestieg durften sich an Bergen von z.B. fünf Kilo Schokolade, siebeneinhalb Kilo Marzipan und 35 Kilo Vanilleeis austoben. Sie sollen auch mal im überfluss schwelgen. Ist es das was die Kinder brauchen? Kinder aus sozial schwach gestellten Verhältnissen? Damit auch noch den Hintergrund bilden für eine Künstlerin, die sich auf vergängliches "Material" spezialisiert hat. Die Professorin war ebenfalls begeistert.

Natürlich hat das Spaß gemacht! Aber hören und lesen wir nicht andauernd von den Defiziten in den Schulen die auffällig sind? Gibt es keine anderen Projekte?

Ich finde das dekadent. Das kann kein Beitrag für Lebensentwürfe sein

Bericht aus Bumsdorf XIII - Fortschritt? Nicht mit mir!

In meiner heimatlichen Zeitung gibt es derzeit eine Serie, die sich mit dem Leben des großen Mathematikers Carl Friedrich Gauß beschäftigt. Sie liest sich recht angenehm, wenn auch manchmal etwas leidenschaftslos. Ich überfliege sie daher regelmäßig, obwohl ich kalauernd gestehen muss: Gauß ist mir ein Graus. Vielleicht liegt es daran, dass in mir der Neid nagt, denn von den Dingen, mit denen sich dieser Gelehrte beschäftigt hat, verstehe ich nichts. In der Rechenkunst bin ich nie weit gekommen, mein Abitur wurde mir trotzdem verliehen, denn es gab ja genug Fächer zum Ausgleichen meiner diesbezüglich miserablen Zensuren: z.B. Deutsch, Geschichte, Philosophie, Politik, Sozialkunde, Gemeinschaftskunde, Staatsbürgerkunde und Badminton.

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Gartensurrogatextrakt

Das Wortungetüm „Kaffeesurrogatextrakt“ auf den Karokaffeedosen übte als Kind eine besondere Faszination auf mich aus. Heute weiß ich: ein Surrogat ist ein Ersatzstoff und ein Extrakt wiederum ist ein Auszug des Hauptbestandteils dieses Ersatzstoffes.

Vor einiger Zeit wurden kleine Gartensurrogatextrakte, so gefällt es mir sie zu nennen, in der Braunschweiger Innenstadt gleichsam wie Zelte ‚aufgeschlagen‘. So zum Beispiel ein „Ruhegarten“ auf dem Kohlmarkt platziert und der Burgplatz samt Wahrzeichen an eine Art Palmenstrand oder in eine afrikanische Wüstenoase versetzt.
Zwei dieser Gartenersatzstückchen, die zu einem Ensemble gehören, waren nocheinmal etwas ganz Besonderes. Vor den Schlossarkaden nämlich wurden gleich zwei verschiedene Ersatzgärtchen aufgestellt; ein Garten, der Erinnerungen an das Mittelmeer wachrufen und einer, der den Bürgern wohl barock vorkommen sollte.

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Bericht aus Bumsdorf XII

Die 70er Jahre gingen ihrem Ende entgegen, als meine Eltern auf die unglückselige Idee kamen, mich in einen Sommerurlaub zu entführen. Sie packten mich, die Badehosen und meine jüngste Schwester (die anderen beiden blieben verschont und zu Hause) in den Mittelklassewagen und fuhren mit uns nach Damp 2000 an der westdeutschen Ostsee. Hier gab es ein ganz spezielles Urlaubsfeeling, den besonderen Kick, denn Damp 2000 war neu und modern, der Ort war innerhalb kürzester Zeit aus dem Boden gestampft worden. Ein beschaulicher Hafen mit Fischerbooten? Eine gemütliche Altstadt mit Seefahrerromantik? Alles unnötiger Quatsch. Hier gab es die knallharte Erholung ohne irgendwelchen traditionellen Schnickschnack.

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Ehrenmord auf europäische Art

(Leserbrief; Braunschweiger Zeitung v. 15.05.08)
In Österreich hat ein Familienvater aus finanziellen Grürnden seine Familie einschließlich der Eltern und des Schweigervaters mit der Axt erschlagen (Braunschweiger Zeitung vom 15.5.08). Das ist die (mittel-) europäische Variante des islamischen Ehrenmords, bei der es nicht um Jungfräulichkeit, sondern um Geld geht: Einer, der aus bestimmten Grürnden nicht mehr weiterleben will, entscheidet dann kraft seiner Stellung als Familienvater im Alleingang, dass dann auch die ürbrigen Familienmitglieder kein Recht auf Weiterleben haben, und vollzieht diesen „Richterspruch“ mit eigener Hand. Wahrscheinlich werden die Stammtische jetzt wieder mitfürhlend von einer „Familientragödie“ reden. In Wirklichkeit handelt es sich um einen Skandal, der um kein Haar besser ist als die islamischen „Ehrenmorde“.

Erinnerungen an das friedlichere Amerika - Martin Luther King

Texte von und ürber den Nobelpreisträger, vorgetragen von der Literaturgruppe des Friedenszentrums

Nach den Jahren des George W. Bush klingt es wie eine halb vergessene Sage: das friedlichere, das gerechtere Amerika. Es gab einmal einen schwarzen amerikanischen Prediger, der die Kluft zwischen den Rassen überwinden und dem Hass auf den Gegner Einhalt gebieten wollte durch Methoden, die er dem Menschenrechtler Mahatma Gandhi abgeschaut hatte, nämlich dem Repertoire des zivilen Widerstands, das dann von der studentischen Protestbewegung der sechziger Jahre in aller Welt nachgeahmt wurde. Der Gegner sollte nicht erledigt, sondern nur ausgebremst werden. Bewusst wollte King die Demütigung des Gegners vermeiden, damit eine spätere Versöhnung mit ihm immer noch möglich wäre.

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"New York(er) City"

Es gab mal eine kleine Provinzstadt, nicht ganz so bedeutend wie jene Stadt, die einige „New Babylon" oder „Big Apple" nannten. In dieser Stadt siedelte sich eines Tages ein größeres Unternehmen aus dem Norden des Landes an, just wenige Monate nachdem ein neuer Oberbürgermeister die Geschicke der Stadt für viele, viele Jahre leiten sollte. Dieses Unternehmen war überaus erfolgreich. Es expandierte dank einer klugen Geschäftspolitik und vieler fleißiger Hände, insbesondere in fernen Ländern. Schon bald wuchs es zu einem Unternehmen von internationalem Format.

Aus unerfindlichen Gründen verfügte das Unternehmen über ganz viel Geld, das es unbedingt in Immobilien anlegen wollte oder musste. Und da es im Immobilienbereich offensichtlich keine bessere Anlagemöglichkeit gab, als großflächig Häuser in der kleinen Provinzstadt aufzukaufen, wurden dort gleich blöckeweise Häuser gekauft. Diese wurden nämlich verramscht, weil keiner der alten Besitzer mehr so recht etwas mit ihnen anzufangen wusste. So war man froh, dass man endlich einen Käufer fand.

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Bericht aus Bumsdorf XI - Familienstreit

Das junge Glück denkt selten an die Spätfolgen, wenn es glitschig und verschwitzt die Nächte durchpoppt, nur an den aktuellen Spaß. Eigentlich denkt es während dieser Zeit gar nicht, weil ausschließlich die tierischen Triebe regieren.

Monate später ist er da, der kleine Matz, Fratz oder Spatz. Ja, und plötzlich stellt man fest, dass die guten Freunde und Mitbewohner Kinder ziemlich doof finden, denn so kann man nicht ordentlich kiffen und trinken, arbeiten und kämpfen. Nachts um eins volle Kanne Hardcore, Techno oder Death Metal hören geht auch nicht mehr: Der oder die Kleine soll ja schlafen.

Also lebt man sich auseinander, zieht aus der WG aus sowie mit dem Partner oder der Partnerin zusammen und dann passiert es: Die eigene Familie wird wieder wichtig. Denn zumindest die Großeltern sind begeistert und akzeptieren nun auf einmal und ohne mit der Wimper zu zucken, den stets schwarzgekleideten De-facto-Schwiegersohn oder die bunthaarige, benasenringte Quasi-Schwiegertochter, auch wenn der oder die so seltsame Ansichten hat. Immerhin ist das ersehnte Enkelkind nun da – und damit in der Regel alles gut!

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