Schluss mit «fair»,...

so überschreibt das große schweizer Fair-Handelshaus "Gebana" seine zukünftige Handelsstrategie, um den Handel gerechter zu machen. Damit greift der Braunschweig-Spiegel noch einmal das Thema auf, das er vor wenigen Tagen veröffentlichte unter dem Titel: "Faire Schokolade und trotzdem billig? Geht das?"

Der neue Ansatz von "Gebana" auf das Wort "fair" zu verzichten, weil es keinen fairen Handel gibt, ist wissend und konsequent. Mein kritischer Beitrag zum fairen Handel ordnet sich in die neue Gebana-Strategie ein. Genau diese Strategie ist der wesentliche Grund, warum ich bei der "Projektwerkstatt Urwaldgarten", die den Schoko-Braunschweig-Löwen herstellt und bei "Cacao de Paz" der "Yes Future GmbH" keinen gesteigerten Wert auf eine Fairttrade-Zertifizierung  lege.

Es geht um mehr als ein Fairtrade-Siegel, das immer undurchsichtiger wird. Gebana reichen die festgelegten fairen Standards genau so wenig wie den beiden braunschweiger Schokoladenfirmen. Es muss für Fairness im Handel deutlich mehr gemacht werden. Bio-Plantagen reichen schon lange nicht mehr, weil Biodiversität in jeder Plantage zerstört wird. Darum kaufen "Die zwei Braunschweiger" Schokofirmen nur Kakao aus Urwaldgärten (ähnlich der Permakultur), darum lassen sie den Kakaopreis von den Bauern bestimmen. Darum suchen beide Seiten kulturellen Kontakt, um das Verständnis der Handelspartner untereinander in den unterschiedlichen Kulturen zu entwickeln. Das alles geschieht noch im kleinen Rahmen. Darum handelt es es auch um eine Projektwerkstatt, also einen dynamischen Prozess, wie Gebana es auch erkannt hat. Die Namen der braunschweiger Firmen "Projektwerkstatt Urwaldgarten", "Yes Future" und" Cacao de Paz" sind Programm. Und die kolumbianische Kooperative, aus der z.T. der Kakao herkommt, heißt "Guardabosques" (die Waldwächter).

Wir müssen endlich erkennen, dass der für die Ware bezahlte Preis, entscheidend ist für die ökonomisch-kulturelle und ökologische Entwicklung der bäuerlichen Gemeinschaften. Die Bauern müssen erkennen, dass es eines hohen vorfinanzierten finanziellen Aufwandes bedarf, um bei uns deren Kakao als Schokolade zu vermarkten. Wir müssen den Bauern offen legen, wie die Kostenstruktur der Handelskette bis in den Einzelhandel ist. Kurz: Die Kakao-Bauern sollten wissen, wie hoch die Investitions- und Vermarktungskosten mit allen Risiken bei uns sind. Und wir müssen wissen, wie hoch die Produktionsrisiken der Bauern sind - und die sind erheblich. Wir müssen uns füreinander interessieren. Bei uns herrscht weitgehend Unkenntnis über die Bedingungen des Pflanzenanbaus in den Tropen und die Bauern wissen oft nicht, was wir aus deren Kakao machen. Die kennen oft nicht das verarbeitete Produkt. Das alles muss sich ändern, sonst wird der "Kolonialismus der Märkte" nie überwunden. Das ist ein ganz dickes Brett, das es zu bohren gilt - auf beiden Seiten.

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