„Starker Konzern Braunschweig": Schwerer Rückfall der Braunschweiger Zeitung?

Es war wie früher: Dr. Hoffmann lehnt sich auf seiner Pressekonferenz selbstzufrieden zurück („Ein sehr guter Schlusspunkt für meine Amtszeit.")  und BZ – Redakteur Henning Noske titelt am Folgetag  „Braunschweig – ein starker Konzern"  und gibt Hoffmanns Kernaussagen wieder, als seien es feststehende, geprüfte Tatsachen.

Man muss sich genauer vor Augen halten, was da geschehen ist. Dr. Hoffmann und Finanzdezernent Geiger legen auf der  Pressekonferenz am 21. März ein achtzehn Seiten langes Papier vor, das mit Zahlen, Tabellen und Fachbegriffen nur so gespickt ist. Selbst Fachleute brauchen mit Sicherheit geraume Zeit, um das Gesamtwerk zunächst einmal nachzuvollziehen, und noch viel mehr Zeit, um das im Einzelnen zu überprüfen. Herr Noske aber ist – mit Verlaub – kein Fachmann.  Trotzdem schreibt er am selben Tag Dr. Hoffmanns Darstellung treu und brav nieder.

Nun kann man sicher nicht verlangen, dass ein Lokalredakteur  Wirtschaftsfachmann ist.  Aber dann soll er auch nicht so tun, als sei er einer.  Dann sollte er sich einfach darauf beschränken, die Darstellung Dr. Hoffmanns wiederzugeben und dabei deutlich zu machen, dass das dessen Position ist und dass sie nicht unbedingt Tatsachen gleichzusetzen ist. Im nächsten Schritt könnte er dann Fachleute daran setzen und selber recherchieren. Das dürfte dann auch ruhig mehrere Wochen dauern, immerhin geht es um die wirtschaftliche Zukunft unserer Stadt und ihrer Bürger.

Kritik an Dr. Hoffmann nichts als „Gerede, falsche Behauptung, grobe Verfälschung der Wahrheit"?

Die Pressemitteilung der Stadt vom 21. März hätte Herrn Noske allerdings sehr deutlich machen müssen, dass die gesamte Aktion der Imagepflege des Oberbürgermeisters dienen soll: jegliche Kritik wird als „Gerede",  als „falsche Behauptung"  oder gar als „grobe Verfälschung der Wahrheit" verunglimpft und insgesamt als „Unsitte in der Politik" abqualifiziert. Das ganze Papier liest sich als einzige und dabei mitunter ziemlich aggressive Rechtfertigung.  Noske selber dürfte aber die vielen, oft sehr fundierten und kenntnisreichen kritischen Auseinandersetzungen mit der Politik des OB kennen, die ja nicht zuletzt auf Braunschweig-Spiegel veröffentlicht wurden. Er müsste also den sicheren Eindruck haben, dass es unklug wäre, dem Oberbürgermeister einfach zu glauben und zu vertrauen.

Nun ist herausgekommen, dass der angebliche „Konzernabschluss" des Dr. Hoffmann doch nur ein vorläufiges „Eckdaten-Papier" war. Redakteur Noske fühlt sich – zu Recht – getäuscht: in seinem Kommentar in der BZ vom 28. März spricht er von einem „Hammer" und von „irgendwie einer Unverfrorenheit".  Dann aber schwächt er es sofort wieder mit der Bemerkung ab, dass sei „wohl (!, A.M.) keine bewusste Täuschung der Öffentlichkeit". Ja , was denn sonst?  Wenn der OB selber zugeben muss, dass die vorgelegten Eckdaten „noch Gegenstand der Diskussion bzw. Interpretation" sind, dann wird deutlich, dass eine Überprüfung Tatsachen zutage fördern kann, die ein ganz anderes als das dem OB genehme Bild entstehen lassen. Peter Rosenbaum von der BIBS hat einige solcher millionenschwerer „Interpretationen"  vor einigen Tagen im Braunschweig–Spiegel skizziert.

Noske ist nicht Ralph-Herbert Meyer, er sollte aber mit der Meyerzeit konsequent brechen.

Noske aber tut weiterhin, als sei er doch ein Fachmann:  er sei „nach wie vor davon überzeugt, dass sich unsere Stadt in einer Top-Verfassung befindet". Die „starke Braunschweiger Konzern-Bilanz" werde am Ende nicht getrübt werden können; das verräterische Wörtchen „vermutlich" zeigt dann aber doch, dass er sich doch nicht sicher ist. Das kann er auch wirklich nicht sein.

Die Braunschweiger Zeitung hat über lange Jahre die Politik Dr. Hoffmanns nach Kräften gestützt, das ist unvergessen. Sie ist daher in hohem Maße auch für die Folgen dieser Politik mit verantwortlich.  Der Chef des Lokalteils hieß in dieser Zeit aber Meyer und nicht Noske.  Noske selber trägt für die finsteren Zeiten keine Verantwortung, aber man gewinnt den Eindruck, dass er das Ganze doch nicht  so richtig wahrhaben möchte. Aber es hilft nichts: entweder wird nun mit der Vergangenheit aufgeräumt und die gesamte Politik der Privatisierung in allen Facetten auf den Prüfstand gestellt oder man hält in dieser Frage am „weiter so" fest. Das könnte sich dann aber auch für die Braunschweiger Zeitung am Ende als schädlich heraus stellen.

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