Anfrage/Stellungnahme zur AfD-Bundestagsanfrage "Schwerbehinderte in Deutschland"

Sehr geehrte Schwerbehinderten-Vertrauensleute und Gewerkschafter,

es gibt bestimmte Ereignisse, da wird eine Grenze überschritten und man merkt: das kann man so nicht stehen lassen. Da muss man aufstehen und hinstehen und sagen: „So nicht!“. So ging es mir, als ich gestern den aktuellen Antrag der Afd zum Thema „Schwerbehinderte in Deutschland“ gelesen habe. Indirekt bezeichnet man mich (als schwerbehinderten Menschen) als „unwertes Leben“. So viele fragen sich immer wieder, wie all die Grausamkeiten in Nazi-Deutschland einst möglich waren. Jetzt können wir uns selbst die Antwort geben. Tun wir etwas oder schweigen wir weiter still unter dem Motto „Sind ja nur ein paar Spinner, wird schon nicht so schlimm werden!“

Ich habe eine solche mail noch nie verfasst. Aber diese abscheuliche, menschenverachtende Anfrage kann und will ich so nicht stehenlassen. Und ich bitte Sie um Ihre Unterstützung. Bitte schicken auch Sie eine Anfrage wie die beigefügte an die/den Behindertenbeauftragten Ihrer Landesregierung. Machen Sie deutlich, dass es dringend notwendig ist, Kante zu zeigen und tätig zu werden. Nicht stillzuschweigen. Hier sind die Kontaktdaten: http://www.behindertenbeauftragte.de/DE/Wissenswertes/Links/links_node.html

Viele Grüße aus Ludwigsburg,

Sabine Rossow-Braun

Schwerbehinderten-Vertrauensfrau der Stadtverwaltung Ludwigsburg

 

Sehr geehrte/-r Frau/Herr xxx,

die aktuelle kleine AfD-Anfrage „Schwerbehinderte in Deutschland“ ist Ihnen sicher bereits bekannt. Hier trotzdem noch einmal der link dazu http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/19/014/1901444.pdf

Viele Menschen in unserem Land sind wirklich geschockt, empört und auch geängstigt nicht nur wegen der Diktion dieser Anfrage, sondern auch darüber, war sinngemäß dahinter steht.

 Der Berliner Verein Kellerkinder e.V., der Menschen mit unterschiedlichen Handicaps vertritt, interpretiert diese Anfrage folgendermaßen

„Die AFD hat mit ihrer kleinen Anfrage an die Bundesregierung vom 22.03.2018 gezeigt, wie wichtig es ist, sich mit unserer Geschichte von 1933 - 1945 auseinander zu setzen. Sie kreiert sich eine neue Zielgruppe für ihren Hass und ihre "Rassengedanken", Menschen mit Behinderung. Nicht nur, dass sie die meisten von uns als Produkte der Inzucht darstellen (…), sondern sie stellt die Frage nach der Lebensberechtigung von Menschen mit Behinderung. Nicht anders ist diese Anfrage zu bewerten. Das Motto, woher kommen die ganzen Behinderten und die werden immer mehr, ist nicht anders zu verstehen, als da müssen wir etwas machen… Dies steht im Gegensatz zu dem Gedanken der Inklusion, also der Vielfalt. Es fehlt noch die Frage, wieviel die Menschen mit Behinderung der Gesellschaft kosten, und ob wir uns das noch leisten können. Die Verknüpfung „unwerten Lebens“ mit der Frage nach "der Rasse" (Migrationsfrage) ist nationalsozialistisches Gedankengut.“

Ich vermisse eine klare politische Stellungnahme zu diesem Antrag. Die Stelle der Beauftragten der Bundesregierung für behinderte Menschen (deren Aufgabe eine solche Stellungnahme aus meiner Sicht eigentlich gewesen wäre) ist weiterhin vakant.

Deshalb möchte ich bei Ihnen als der Beauftragten der xxx Landesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen anfragen, inwieweit Sie und Ihre Amtskolleginnen und Kollegen der anderen Bundesländer auf diese Anfrage reagieren werden. Ist eine gemeinsame Stellungnahme angedacht?

Viele Vereinigungen für behinderte Menschen, Interessenvertretungen, Privatpersonen usw. haben bereits Stellung zu diesem Antrag bezogen. Das alles hat lange nicht die Wirkung, die eine zeitnahe Erklärung alles bundesdeutschen Behinderten-Beauftragten der Länder dazu haben würde.

Ich bitte Sie darum, ein solches statement mit Ihren Amtskollegen zu besprechen, möglichst schnell in die Wege zu leiten und die Interessen so vieler Behinderter/Schwerbehinderter gemeinsam zu vertreten.

„Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch…“

 

Ich danke Ihnen für Ihren Einsatz und Ihre Unterstützung!

 

Mit freundlichen Grüßen

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