Von Bülow’sche Villa: Die Betonmischer können anrollen

Auf dieser Fläche nordwestlich der v. Bülow’schen Volla an der Freisestraße entsteht das neue Bibliotheksgebäude des GEI. Foto: Klaus Knodt

Der jahrelang Protest von AnwohnerInnen und Initiativen hat nichts genützt. In Anwesenheit des Niedersächsischen Ministers für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler (CDU), wurde jetzt der Grundstein für den Bibliotheksneubau des Georg-Eckert-Instituts (GEI) hinter der von Bülow’schen Villa gelegt.

Das Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung soll als „Referenzzentrum für internationale Schulbuchforschung“ für rund 13 Millionen Euro, finanziert von Bund und Land, ausgebaut werden. Die alte Villa im Park an der Oker an der Ecke Celler Straße / Freisestraße erhält einen Erweiterungsbau für die Forschungsbibliothek. Ein Bürogebäude für die mehr als 120 MitarbeiterInnen, das aus dem Umbau des ehemaligen Schwesternwohnheims des Klinikums entstehen soll, wird den neuen Campus abrunden. Geplant ist auch, das Foyer der Villa von Bülow als öffentlichen Raum zur Verfügung zu stellen. Die Forschungsbibliothek ist mit über 175.000 Schulbüchern aus 173 Ländern die größte Schulbuchsammlung weltweit.

Legten den Grundstein für den Neubau (v.l.): Minister Björn Thümler, Prof. Matthias Kleiner (Präsident Leibnitz-Gemeinschaft), Institutsdirektor Prof. Eckhardt Fuchs, Amir Hidar (Ing.-Büro Hidar), Oberbürgermeister Ulrich Markurth, Antje Scharsich (Bundesbildungsministerium). Foto: Klaus Knodt

„Derzeit entsprechen die Bedingungen für die Bestandserhaltung nicht mehr den bibliothekarischen Standards. Moderne Bibliotheksbauten müssen dem digitalen Wandel wie auch den Bedürfnissen der Wissenschaft gerecht werden“, sagte Prof. Dr. Eckhardt Fuchs, Direktor des Instituts. „Seit Jahren reichen die räumlichen Kapazitäten nicht mehr aus, um den Bestand wissenschaftlich nutzbar zu machen, geschweige denn weiter auszubauen. Um die Forschungsbibliothek und unsere Forschungsarbeit zukunftsfähig zu machen, benötigen wir dringend diese Erweiterung.“

Um den geplanten Neubau hatte es jahrelang Debatten und Proteste gegeben. Umwelt-Aktive protestierten gegen den Landschaftsverbrauch an Park- und Grünfläche. Andere Kritiker monierten die „eintönige, kastenförmige Riegelbebauung“, die den Charakter der klassizistischen Villa als architektonischen Solitär am Okerufer beeinträchtige.

Oberbürgermeister Ulrich Markurth (SPD) ging in seiner Ansprache auf die jahrelangen Diskussionen um die Bebauung ein und sagte: „Der Weg bis hier war in der Tat zäh und langwierig“. Doch nun entstehe „aus Alt und Neu etwas Verbindendes, das kein Widerspruch ist“. Auseinandersetzungen um solche Projekte gehörten „in einer Stadtgesellschaft dazu“. Er wies darauf hin, dass das GEI den Verfall der alten Villa gestoppt habe: „Ohne das Institut in diesem Gebäude gäbe es das Gebäude nicht mehr“.

 

So soll sich der fertige Baukörper später in die Parklandschaft einfügen. Montage: Architektur: SEHW Architektur

In der Grundsteinkartouche wurden nicht nur schriftliche Dokumente vom Tage, sondern auch ein Datenstick eingemauert, denn im Neubau soll ein ‚Digital Lab‘ entstehen, das anwendungsorientierte kulturwissenschaftliche Forschung im Bereich digitaler Bildung ermöglicht. Kleine Ironie am Rande: Der Grundstein (eigentlich eine Grundmauer) auf einem Holzpodest im Festzelt für rund 200 hochrangige Gäste der Feier war nur ein symbolisches Provisorum – er befindet sich ausserhalb der späteren Gebäudegrenzen.

 

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