Was ist "fair" im Schokoladengeschäft? Innovative Kakaopreisgestaltung kommt aus Braunschweig

Kleinbauer mit Kakaofrucht und Plastiksack für die Fermentation des frischen Kakaos. Foto Uwe Meier

Fairness im Kakaohandel ist selten. Dabei kann wirklich fair gehandelter Kakao für die Kakaobauern Entwicklungschancen eröffnen. Wenn es heute noch Kindersklaven in den westafrikanischen Kakaoländern gibt, wo der meiste Kakao herkommt, dann liegt das daran, dass die Kakaopreise viel zu niedrig sind - und das seit Jahren. Diese Preise sind die Ursache für Ausbeutung der Kinder und der Natur. Das ist der Grund für die billige Schokolade in den Regalen unserer Geschäfte.

Auch eine Folgewirkung dieser Ausbeutung sind die Flüchtlinge, die aus diesen Ländern (Ghana, Elfenbeinküste) zu uns kommen. Über den Billigkakao und die Billigschokolade in den meisten Verkaufs-regalen, machen wir uns mitschuldig an der Flüchtlingsproblematik nach Europa und die Toten im Mittelmeer. Aber es gibt Alternativen - auch in Braunschweig!

Die Braunschweiger Firmen "Projektwerkstatt Ur-waldgarten" und "Yes Future GmbH" mit "Cacao de Paz", wollen die Preisfindung neu gestalten. Der Kleinbauer bestimmt den Preis für seinen Kakao und nicht mehr der Aufkäufer.

"Das ist eine Umkehr der Machtverhältnisse und eine Abkehr vom anonymen Markt. Es ist eine Hinwendung zum Menschen",

sagt Uwe Meier, einer der Initiatoren der Braunschweiger Schoko-Firmen.

Die weihnachtliche Verkaufsmesse von Schoko-Weihnachtsmännern ist gesungen. Die Regale sind leer, die Schokoladenhersteller fahren in den Urlaub. Dann kommen die Osterfesttage – auch als Schokoladenverkaufstage getarnt mit Eiern, Küken und den unvermeidlichen Schoko-Osterhasen.

Inzwischen sind die Schokoprodukte zu Weihnachten oder zu Ostern fast alle FairTrade gehandelt. Fair, so wird es bei uns verstanden, heißt, der Kakaobauer bekommt seinen fairen Anteil. Den bekommt er aber nicht. Und dann noch die anderen Siegel auf der Umhüllung wie UTZ oder „Rainforest Alliance“ (RA mit dem kleinen grünen Frosch). Diese Siegel haben gar nichts mit fairen Preisen für die Kakaobauern zu tun.

Es gibt nur wenige Institutionen, denen man in diesen Fragen der Fairness bei tropischen Agrarprodukten vertrauen kann, wie z. B. bei dem Kakao. Zuverlässig ist das Südwind-Institut und INKOTA. Beide sind keine Siegelorganisationen, sondern Menschenrechtsorganisationen. Lesen Sie hier mehr: „Der Weihnachtsmann ist gar nicht fair“.

Trotzdem muss auf hochwertige Schokolade nicht verzichtet werden, wenn man die Bauern nicht ausbeuten will und es das Ziel ist, dass die Bauern und ihre Familien gerechte Preise für ihr schwieriges und risikoreiches Geschäft der nachhaltigen Kakaoproduktion bekommen. Gerade in Braunschweig hat sich hier einiges getan:

  1. Der Verein „Fair in Braunschweig“ verkauft in den Lebensmittelgeschäften der Stadt eine Tafel Schokolade – die BRAUNSCHWEIG-SCHOKOLADE. Sie wird in den Geschäften meistens angeboten mit dem Braunschweig Kaffee. Der Kakao der Schokolade wird durch die kirchliche Handelsorganisation GEPA den Kooperativen-Bauern in der Dominikanischen Republik, Peru, Bolivien und Sao Tome /Principe abgekauft. Die GEPA hat den entwicklungspolitischen Ansatz im Fokus und nicht das Geschäft, obwohl auch auf kaufmännischen Gewinn geachtet wird.
  2. Die Firma „Projektwerkstatt Urwaldgarten“ verkauft den Braunschweig-Löwen aus Schokolade in Braunschweig als Relieftafel und als Schoko-Hohl-Löwe entsprechend dem Braunschweig-Löwen. Die Schokolade kommt von nur wenigen Bauern aus Kolumbien, die den Kakao in einem ehemaligen Bürgerkriegsgebiet im Urwaldgarten (Permakultur) anbauen. Die Kooperative ist uns gut bekannt. Der Anbau entspricht den Prinzipien der Agrarethik. Die Bauern bekommen für den Kakao im Rahmen einer neuartigen Preisfindung den Preis, den sie verlangen (siehe "Der Kakaopreis). Dieser Preis liegt derzeit deutlich (bis das dreifache) über den normalerweise bezahlten Marktpreisen. Zukünftig wahrscheinlich das Dreifache über dem Weltmarkpreis. Der Kakao ist nicht fair- oder bio-zertifiziert und mit einem Siegel versehen, weil der Kakao sozial und ökologisch deutlich nachhaltiger ist als der zertifizierte.
  3. Die Firma „Yes Future GmbH“ mit ihrer Abteilung „Cacao de Paz“ verkauft diverse Kakaoprodukte und begleitende Artikel über das Internet und in dem Geschäft Heimatrausch in Braunschweig. Der Kakao kommt von denselben Bauern wie der des oben beschriebenen Braunschweig-Löwen der Firma "Projektwerkstatt Urwaldgarten".

Der Kakaopreis

 

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