St. Katharinen: Gelebte Reformation - Barmer theologische Erklärung

Das Verhältnis zwischen Kirche und Staat, Religion und Gesellschaft wird aktuell kontrovers diskutiert. Bis zum 1. Juli 2018 können Interessierte in der St. Katharinen-Kirche am Braunschweiger Hagenmarkt ein spannendes Stück Zeit- und Kirchengeschichte kennenlernen, das einigen Denkstoff zu diesem Problemfeld bietet. Plakat
 
Eine moderne Ausstellung über „Die Barmer Theologische Erklärung“ gibt mit Tafeln, Videobild-schirmen und Hörstationen Einblicke in die inner-kirchlichen Auseinandersetzungen, die schon in der ersten Phase der nationalsozialistischen Herrschaft aufbrachen und den „Kirchenkampf“ einleiteten. Vor genau 84 Jahren (29.-31. Mai 1934) hat eine freie evangelische Synode in Wuppertal-Barmen getagt und sich auf den Erklärungstext geeinigt, dem nach 1945 in der Evangelischen Kirche bis heute richtungsweisende Bedeutung zuerkannt wird.
 
Ideologisch geprägte „Deutsche Christen“ strebten schon vor 1933 ein „artgerechtes Christentum“ und eine Kirche mit Führerprinzip an. Sie gewannen u.a. mit dem Machtantritt Hitlers als Reichskanzler und eine außerplanmäßige Kirchenvorstandswahl im Juli 1933 dramatisch an Einfluss in den evangelischen Gemeinden und Landeskirchen. Eine tiefgreifende organisatorische und theologische Umformung des Kirchenwesens begann. Bei einem Teil der Pastoren und Gemeinden schlug anfängliche Begeisterung bald in Skepsis um. Eine Minderheit reagierte schließlich auf diese rasanten Entwicklungen und organisierte sich in einer „Bekenntnissynode“, die vom 29. bis 31. Mai 1934 in Wuppertal-Barmen stattfand. Insgesamt 138 Theologen und Gemeindeglieder aus dem gesamten Reichsgebiet trafen dort zu Beratungen zusammen. Sie einigten sich auf die „Barmer Theologische Erklärung“. Protokollant dieser Synode war übrigens der damalige Braunschweiger Regierungsrat a.D. Dr. Bode. Mit Heinrich Lachmund nahm auch ein Pfarrer der Braunschweigischen Landeskirche (Blankenburg) an dieser aufsehenerregenden Zusammenkunft teil. Die „Barmer Erklärung“ gilt rückblickend als Gründungsdokument der „Bekennenden Kirche“ und war die Initialzündung des „Kirchenkampfes“, einer sich teilweise zäh hinziehenden innerkirchlichen Auseinandersetzung. Vor allem in der Nachkriegszeit hat die theologische Erklärung von 1934 Karriere gemacht und ihre jetzige Geltung bekommen. In Artiekl 2 Abs. 2 der Verfassung der Braunschweigischen Landeskirche heißt es: „Die Landeskirche wahrt und fördert die im Kampf um das Bekenntnis geschenkte, auf der Bekenntnissynode von Barmen im Jahr 1934 bezeugte Gemeinschaft. 2 Die dort ausgesprochenen Verwerfungen bleiben in der Auslegung durch das lutherische Bekenntnis für ihr kirchliches Handeln maßgebend.“
 
Die Texte der Barmer Bekenntnissynode können in der Ausstellung auf einem Bildschirm bequem nachgelesen werden. Mit modernen Darstellungsformen spannt sie einen großen Bogen von der Reformation bis ins 20. Jahrhundert und wendet sie sich an historisch, politisch und religiös Interessierte. Einzelbiographien maßgeblich beteiligter Persönlichkeiten, Erinnerungen von Zeitzeugen und historische Text- und Tondokumente lassen die Ereignisse von Barmen lebendig werden. Video-Ausschnitte und Interviews verfolgen die weltweite Aufnahme des Textes bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts, u.a. in den Evangelischen Kirchen zur Zeit der DDR und im südafrikanischen Kontexten zur Zeit der Apartheid.

 Ort und Öffnungszeiten:

Bis 1. Juli 2018: werktags ist die Katharinenkirche (Hagenmarkt, Braunschweig) von 9 bis 17 Uhr geöffnet, sonntags nach dem Gottesdienst und auf Anfrage.
Haltestelle Hagenmarkt der Straßenbahnlinien 1,2,3 und 4
Der Eintritt ist frei, eine Spende willkommen.
Ein Ausstellungskatalog kann für 20,- € erworben werden.
Auf Wunsch und nach Terminvereinbarung bietet Gemeindepfarrer Werner Busch ca. 20-minütige Einführungen für Gruppen an.
 
Kooperationspartner:
·         Ev.-reformierte Gemeinde Braunschweig
·         Evangelische Akademie Abt Jerusalem
·         Arbeitsbereich Religionspädagogik und Medienpädagogik der Ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig
 
Termine:
Mittwochnachmittag, 30. Mai 2018 von 15 bis 17 Uhr: Eine Einführungsveranstaltung im Rahmen von „Mittwochnachmittag an St. Katharinen“
Sonntag, 24. Juni um 10.30 Uhr: Gottesdienst mit der Reformierten Gemeinde in St. Katharinen. Die Predigt hält Pastor Klaus Kuhlmann
 
Nähere Informationen zur Ausstellung und Barmer Erklärung: http://www.barmen34.de/index.php/die-ausstellung.html
 
Gefördert durch:
·         Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien
·         Landesregierung von NRW
·         Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR)
·         Kirchenkreis „Evangelisch in Wuppertal“
·         EKU-Stiftung

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