Fahrverbote, Stickoxide, Grenzwerte - ist das alles Unsinn?

Fahrverbote in vielen Städten, Kritik an Abgas-Grenzwerten. Die Debatte über Dieselautos und die Luftqualität ist auch hoch emotional, und deshalb geht häufig einiges durcheinander.

Spätestens seit Gerichte reihenweise Fahrverbote in deutschen Städten verhängt haben, tobt eine heftige Debatte über Sinn und Unsinn dieser Verbote. Schadstoff-Grenzwerte stehen im Focus. 40 Mikrogramm Stickoxid im Jahresmittel, das ist der Grenzwert, der die Diesel-Debatte prägt. Grundlage ist eine EU-Richtlinie, die sich wiederum auf Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO stützt. Doch die Grenzwerte der WHO scheinen nicht gerade belastbar erhoben worden zu sein.

Sind Behauptungen, die Diesel-Autos seien gesundheitsschädlich, haltlos und die Grenzwerte unsinnig? Schnell taucht die Aussage auf: "Es stirbt kein Mensch wegen des Stickoxids an den Hauptstraßen." Ein Satz, den Prof. Dr. Dieter Köhler ständig wiederholt und mit dem er auch ständig zitiert wird. Der Lungen-Facharzt war bis 2007 Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und ein ausgewiesener Fachmann auf seinem Gebiet. Und er ist so etwas wie der Vorzeigewissenschaftler für all diejenigen, die sich über Diesel-Fahrverbote und zu strenge Stickoxid-Grenzwerte empören. Denn schon die Kerzen des Adventskranzes im Wohnraum führten zu höheren Konzentrationen als die im Straßenverkehr erlaubten 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, sagt Köhler. Sehen sie hier ein Interview mit Dr. Köhler.

So weisen Lungenfachärzte immer wieder darauf hin, dass vor allem Feinstaub gefährlich sei. Das sind kleinste Partikel, die in die Atemwege dringen. Vor allem Feinstaubpartikel, die im Durchmesser kleiner als 2,5 Mikrometer sind, können Lungenkrankheiten auslösen oder das Risiko von Herzinfarkten oder Schlaganfällen erhöhen. Der Autoverkehr ist eine Ursache für Feinstaub, allerdings auch Benzin-Autos. Die Grenzwerte für Feinstaub bezeichnen viele Mediziner als zu lax. 

Stellungnahme von Dr. Bernhard Piest

Im Interview mit Prof. Köhler wird eine bedeutende gesundheitliche Gefährdung durch Stickoxide angezweifelt. Es sei nicht erwiesen, dass der Stadt-Land-Unterschied in der Lebenserwartung allein durch Stickoxid bedingt sei, es gäbe viele andere mögliche Ursachen. Auch sei nicht plausibel, dass geringfügige Ansäuerungen in der Lunge zu Krankheiten führen würden. Überhaupt sei der Stickoxideffekt im Vergleich zum Rauchen minimal. Als Folge seien die aktuellen Grenzwerte der EU anzuzweifeln.

Was stimmt denn jetzt, sind Stickoxide gefährlich oder nicht? Was sicher ist, ist die Unklarheit.

Möglicherweise entstehen geringe Schädigungen auch durch sehr niedrige Konzentrationen, genau wissen wir das nicht. Aber was passiert gesellschaftlich, wenn Autokäufer statt eines Diesels sich jetzt einen Benziner kaufen? 2017 sind die Abgasemissionen für CO2 in der EU bei neugekauften Autos erstmals seit vielen Jahren wieder angestiegen! Um ein kleines Problem zu beseitigen, handelt man sich ein großes ein! Und das ist sicher eine falsche Politik.

Politiker sollten wissen, was wichtig ist. Wichtig ist die Absenkung der CO2-Emissionen, und die werden erreicht durch einen niedrigeren Verbrauch, egal ob Diesel oder Benzin. Und als Nebeneffekt entstehen bei geringeren Verbrennungsmengen auch weniger schädliche Abgase wie Stickoxide. Und die Lungen werden sich freuen.

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